Kategorie: Bücher
Kanalschwimmer
Der im mareverlag erschienene Roman von Ulrike Draesner besticht gleichermaßen durch psychologische Genauigkeit und poetische Intensität. Held des Buches ist ein Mann von Anfang 60, der nach 37 Ehejahren die Ankündigung seiner Frau zu verdauen hat, künftig mit einem langjährigen Freund des Paares zusammenleben zu wollen. Derart vor die Aufgabe gestellt, seinen Lebensplan an der Schwelle zum Ruhestand generell zu überdenken, fasst er den Entschluss, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Neben dem zutiefst männlichen Anspruch, sich selbst und der Welt noch einmal unmissverständlich die eigene Stärke zu bewiesen, steht hinter diesem Selbstversuch auch die Sehnsucht nach einer Art Reinigungsritual und die Suche nach der Wahrheit der eigenen Lebensgeschichte. Die Autorin begleitet … > Weiterlesen
Sylvia B. Lindström, in Hamburg geboren, seit drei Jahrzehnten auf der schwedischen Insel Öland zu Hause, ist nicht nur als Autorin von zahlreichen Büchern (Krimis, Kinderbüchern, autobiographischen Reflexionen) hervorgetreten. Zu den von ihr ausgeübten „Berufen“ gehören zudem Tätigkeiten als Pferdetherapeutin, Altenpflegerin, Kunsthandwerkerin, Märchenerzählerin, Eventreiterin u.a.m., die sie im Übrigen parallel zur Inanspruchnahme als alleinerziehende Mutter eines Sohnes ausgeübt hat. Insofern wird das Wort Lebenskünstlerin ihrer vielseitigen Biographie weit eher als die Reduktion auf eine bloße Schriftstellerin gerecht.
In dem jungen Berliner Verlag EdenBooks ist nun ein autobiographisches Buch der Autorin über ihre Auswanderung aus Deutschland, ihre Ansiedlung in Südschweden und ihren dortigen Neubeginn erschienen. Es trägt den Titel Ein … > Weiterlesen
Die Autorin Lucia Jay von Seldeneck und der Illustrator Florian Weiß haben in der Mannheimer Edition Kunstanstifter eine Anthologie unter dem Titel Logbuch. Schiffe, die Legenden vorgelegt, die nicht zuletzt in gestalterischer Hinsicht bemerkenswert ist. Das Spektrum der für das Buch ausgewählten legendären Schiffe reicht von der biblischen Arche Noah und archaischen Surfbrettern der Ureinwohner Hawaiis über die Segler des chinesischen Admirals Zheng He und seines genuesischen Kollegen Kolumbus bis zu Gagarins Sputnik und der von Werner Herzog für seinen Film Fitzcarraldo nachgebauten Molly Aida. Auch die von der britischen Marine zwecks Überwachung des nach St. Helena verbannten ehemaligen Kaisers Napoleon zur „Steinfregatte“ erklärte Nachbarinsel Ascension findet Berücksichtigung als … > Weiterlesen
Im Bozener Folio Verlag ist das Buch Das Meer, die Liebe, der Mut aufzubrechen von Andrea Marcolongo erschienen. Darin interpretiert die italienische Altphilologin die Argonautensage und wechselt immer wieder spielerisch zwischen klassisch philologischen und aktuellen, unterhaltsam essayistischen Perspektiven. Inwieweit die Thesen Marcolongos zum historischen Hintergrund der legendären Reise der Argonauten wirklich haltbar sind, wagen wir nicht zu beurteilen, trotzdem wird die Lektüre ihres Buches dank ihres erfrischenden Erzählstils nie langweilig und belohnt den Leser zudem mit pointierten Reflexionen der Gegenwart, die alles andere als philologisch-altbacken sind. Auf Seite 234 etwa liest man den folgenden Satz, der ohne Weiteres als denkbare Lebensmaxime in Frage kommt: „Besser sich verirren, als sich nie … > Weiterlesen
Voci di Sicilia
Die in Catania aufgewachsene Sängerin und Komponistin Etta Scollo hat unter der Überschrift Voci di Sicilia eine voluminöse Liebeserklärung an ihre Heimatinsel verfasst, die vom Corso Verlag wahlweise mit und ohne beiliegender CD ausgeliefert wird (je nach dem zum Preis von 29,90 oder 39,90 €). Darin kommen Freunde, Bekannte und Alteingesessene zu Wort, die mehr als eine hintergründige und persönliche Geschichte über die Insel erzählen. Die Art und Weise, wie sie ihre Häuser und Herzen öffnen, dürfte nicht nur all jene begeistern, die der „Königin der Inseln“ schon unrettbar verfallen sind, sondern auch Leser inspirieren, die sie noch nicht aus eigenem Erleben kennen.… > Weiterlesen
Bekanntlich nimmt der Stille Ozean insgesamt zwei Drittel der Erdoberfläche ein und ist eine Gegend, wo es von Inseln nur so wimmelt. Diesem größten aller Weltmeere hat der britische Publizist und langjährige Kurator der Sammlungen der British Library Philip J. Hatfield jetzt ein reich illustriertes Buch unter dem Titel Unendlicher Pazifik gewidmet, das im Verlag wbg Theiss in deutscher Übersetzung vorliegt. Ca. 500 Abbildungen historischer Dokumente, Zeichnungen und Fotos, vorzüglich aus den fulminanten Sammlungen der British Library bieten einen kaleidoskopischen Blick auf das weite Themenfeld. Die vielgestaltige Inselwelt des Pazifik und die Geschichte ihrer Entdeckungen und Entdecker nimmt im Buch den breitesten Raum ein.… > Weiterlesen
Die britisch-kanadisch-taiwanesische Autorin Jessica L. Lee ist promovierte Umwelthistorikerin, gibt eine auf Nature Writing fokussierte Literaturzeitschrift heraus und lebt derzeit in Berlin. In ihrem neuen Buch Zwei Bäume machen einen Wald, das soeben in der Reihe Naturkunden des Verlages Matthes & Seitz erschienen ist, spürt sie den taiwanesischen Wurzeln ihrer Familie und mit diesen auch der Landschaft und Flora Taiwans, seiner Geologie, Geschichte und Ökologie sowie nicht zuletzt dem Wesen von Inseln nach. Gleich zu Beginn des – im Übrigen mit einfühlsamen Zeichnungen illustrierten und auch in gestalterischer Hinsicht rundherum überzeugenden Buches – steht der schöne Satz: „Eine Insel ist ein schwimmendes Wort, ein Archipel, ein pelagischer Ort.“… > Weiterlesen
Der kalifornische Meeresbiologe Wallace J. Nichols wendet sich in seinem im Hirzel Verlag publizierten Buch Blue Mind. Wie Wasser uns glücklicher macht der außerordentlichen Faszination zu, die der Anblick von Wasser und die Bewegung darin bei Menschen unwillkürlich bewirken. In seinem unterhaltsam und flüssig geschriebenen, zum Schmökern einladenden Buch zitiert und erläutert Nichols nicht nur eine Vielzahl neurowissenschaftlicher, medizinischer und psychologischer Studien, sondern wartet auch mit einer Fülle individueller Fallbeispiele und Geschichten auf – sei es von Sportlern, Künstlern, Anglern oder Kindern. Ein hochspannendes Thema und ein leicht zu lesendes Buch, aus dem man dennoch eine Menge lernen kann!… > Weiterlesen
Die Pest in London
Im Jahr 1722, drei Jahre nach Erscheinen des Robinson, veröffentlichte Daniel Defoe eine außergewöhnliche Reportage unter dem Titel A Journal of the Plague Year, die der österreichische Verlag Jung und Jung unter dem deutschen Titel Die Pest in London neu herausgegeben hat. In seiner fast 400 Seiten umfassenden, mit einer Fülle von Details aufwartenden Chronik schildert Defoe die Londoner Epidemie von 1665 aus der Perspektive eines fiktiven Beobachters, aber auch unter Verweis auf amtliche Statistiken, in denen man Infektionsgeschehen und Todesfälle schon vor mehr als 350 Jahren akribisch aufgezeichnet hat.… > Weiterlesen
