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Insel- und Küstenkrimis

Harter Fall

Frank Göhre

Frank Göhre gehört mit seinem gleichermaßen knappen, „schwarzen“ und pointierten Sprachstil zu den versiertesten und erfolgreichsten deutschen Kriminalschriftstellern. Dreimal wurde ihm bereits der deutsche Krimipreis zuerkannt. Sein neuester Krimi trägt den Titel Harter Fall und steht nicht nur auf den ersten Plätzen der Krimibestenliste, sondern hat auch ein unmittelbares Inselthema: Zwar geht es dabei nicht um die Insel Rügen, auch wenn der Zeitpunkt der Handlung, die große Schneekatastrophe des Winters 1978/79 in Norddeutschland auch hier nach wie vor in lebhafter Erinnerung ist. Zunächst einmal wird in Hamburg die Leiche einer unbekannten jungen Frau gefunden. Zur selben Zeit machen sich die Abiturienten Jan und Torsten zusammen mit dem Mechaniker Peter auf … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Absturz

Tom Kristensen

Der umtriebige Guggolz Verlag hat sich mal wieder um die Neuentdeckung eines literarischen Klassikers aus Skandinavien verdient gemacht. Der Debütroman des dänischen Autors Tom Kristensen, der nunmehr in einer gut lesbaren Neuübersetzung von Ulrich Sonnenberg unter dem Titel  Absturz verfügbar ist, entstand in den 1920er Jahren und erschien 1930 – wie man weiß, eine Epoche, in der Mammutromane von an die tausend Seiten hoch im Kurs standen. Und in der Tat verdient es Kristensens Buch, im Kontext anderer großer Romane jener Tage wie Döblins Berlin-Alexanderplatz, Joyce‘ Ulysses oder Musils Mann ohne Eigenschaften genannt und betrachtet zu werden. Wie bei diesen Zeitgenossen ist auch Kristensens Schreibstil durch eine ausgesprochen autobiographische … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Die Insel des Doktor Moreau

H.G. Wells

Die Insel des Dr. Moreau von H. G. Wells ist einer der unbestrittenen Klassiker der modernen Inselliteratur, Margaret Atwood hat ihn zurecht „ein Werk, dass man nie wieder vergisst“ genannt. Folglich vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht irgendeine Neuerscheinung dieser radikalen Horrorgeschichte auf den Markt kommt, und man könnte meinen, dass auch die neueste aus der Verlagsbuchhandlung Liebeskind eigentlich nicht ausdrücklich empfohlen werden muss. Aus zwei Gründen tun wir es aber dennoch: Zum einen, weil der Verlag mit dem amerikanischen Comic-Zeichner Bill Sienkiewicz einen Künstler von Weltrang als Illustrator gewinnen konnte. Und zudem, weil Wells 1896 publizierte Geschichte um den abgründigen Dr. Moreau, der auf einer abgeschiedenen Insel Operationen … > Weiterlesen

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Sachbücher und Bildbände

Mystische Fauna. Von der Liebe der Tiere

Marica Bodrožić

Die aus Kroatien gebürtige Schriftstellerin Marica Bodrožić ist bereits mit mehreren Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden, essayistischen Texten und autobiographischen Büchern hervorgetreten. In ihrem jüngsten nimmt sie einen Besuch auf La Gomera und die Betreuung eines dortigen Hundes zum Anlass für eine autobiographische Spurensuche und Reflexionen über das Verhältnis von Menschen und Tieren. Entgegen der vom Titel des Buches geweckten beinahe esoterischen Verheißung kommen dabei vor allem ausgesprochene Grausamkeiten zur Sprache. Die Frage, was die von der Autorin erinnerten Beispiele für Misshandlungen von Tieren über den Menschen und seine (womöglich verdrängte) soziale Natur selbst zu erzählen haben, ist das eigentliche Zentrum, um das Bodrožićs Erinnerungen und Betrachtungen kreisen. Man kann ihren poetisch-philosophischen … > Weiterlesen

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Sachbücher und Bildbände

Albrecht Dürer und der Wal. Wie die Kunst die Welt erschaffen hat

Philip Hoare

Der britische Schriftsteller und Publizist Philip Hoare ist bereits mit Sachbüchern zu unterschiedlichsten Themen hervorgetreten. Besondere Aufmerksamkeit, auch in Deutschland, fand sein vor gut zehn Jahren erschienenes Buch Leviathan oder der Wal, mit dem er seiner Faszination für die größten Meeressäuger der Welt bereits gebührenden Ausdruck verlieh. Der Schritt zu dem neuen Buchtitel Albrecht Dürer und der Wal mag von daher fast folgerichtig erscheinen, allerdings ist man beim ersten Blick doch verblüfft, dass dieses Thema ein ganzes Buch hergibt. Das bewegt sich in der Tat zuweilen nach Art einer assoziativen Montage relativ weit vom im Titel genannten Thema weg und pendelt gleichermaßen im Zwischenraum von Natur, Literatur und Kunst … > Weiterlesen

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Sachbücher und Bildbände

Die Chronistin der Meere. Über die Tiefe und die Neugier

Patrik Svensson

Der schwedische Journalist und Publizist Patrik Svensson landete mit seinem von Kindheitserinnerungen inspirierten Buch Das Evangelium der Aale vor drei Jahren einen Überraschungsbestseller. Bereits in diesem Buch wird auch die amerikanische Meeresbiologin Rachel Carson erwähnt, die der ökologischen Bewegung in den USA mit ihrem Buch Silent Spring wesentliche Anstöße vermittelt hat. Sie steckt auch hinter der im Titel von Svenssons neuem Buch beschworenen „Chronistin der Meere“. Svensson spricht darin gleichermaßen vom Meer, seinen Geheimnissen, von denen, die es bewohnen und befahren, und jenen, die sich wie Carson und der Autor selbst seinem Schutz verschrieben haben. Das Gefüge der damit verbundenen Assoziationen schafft Verbindungslinien zwischen Walen, Haien und Quallen, Forschern und … > Weiterlesen

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Belletristik

Der Hafen von Toledo

Anna Maria Ortese

Der Roman Der Hafen von Toledo der italienischen Schriftstellerin Anna Maria Ortese erschien im Original bereits 1975 und liegt nun erstmals auf Deutsch vor. Es ist ein voluminöses, sprachmächtiges, traumwandlerisch-unzeitgemäßes und rätselhaftes Buch, das bei seinem Erscheinen breite Ablehnung bewirkte und sich kaum verkaufen ließ – was auch der Grund ist, warum es fast 50 Jahre unübersetzt geblieben ist. Die Autorin selbst hat es gleichwohl zeitlebens für ihr bedeutendstes Werk gehalten. Hinter dem Schauplatz Toledo verbirgt sich Orteses langjährige Heimatstadt Neapel, das Geschehen darf als poetische Übersetzung ihrer eigenen jugendlichen Selbstfindung in der Zeit des Mussolini-Italiens der 1930er und 40er Jahre gelesen werden. Das Zeitgeschehen meldet sich indes eher in … > Weiterlesen

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Belletristik

Die Frau in den Bäumen

Elisabeth Plessen

Elisabeth Gräfin von Plessen ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Literatur – man könnte sagen, dass ihre adlige Herkunft (von der sie sich schon in den 1976 erschienenen Mitteilungen an den Adel verabschiedet hat) gleichwohl in einer gleichsam aristokratischen Behandlung der deutschen Sprache und einem kultivierten Denken über den Tellerrand hinweg fortlebt. Für ihrem neuen, in den 1970er Jahren angesiedelten Roman hat sich die promovierte Literaturwissenschaftlerin ein Sujet mit autobiographischen Zügen gewählt. Nicht viel anders als ihre literarische Heldin, die mit einem zwanzig Jahre älteren Rundfunkmitarbeiter verheiratete Ich-Erzählerin Anna, hat auch Plessen über dreißig Jahre mit einem deutlich älteren Mann, dem Regisseur Peter Zadek, zusammengelebt. Im Roman reist das Paar … > Weiterlesen

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Belletristik

Der letzte seiner Art

Sibylle Grimbert

Die französische Schriftstellerin und Verlegerin Sibylle Grimbert hat sich in ihrem in Frankreich preisgekrönten und nunmehr in deutscher Übersetzung vorliegendem Roman ein ungewöhnliches Thema vorgenommen: die Beziehung eines Naturforschers zu einem vom Aussterben bedrohten Vogel, dem titelgebenden „letzten seiner Art“. Die Handlung spielt im Jahr 1835, und zumindest das darin auftretende Tier, der seit 1844 als ausgestorben geführte „Riesenalk“, eine dem Pinguin verwandte Vogelart, ist belegt. Der vom Naturhistorischen Museum in Lille nach Island entsandte Zoologe Gus wird Zeuge, wie die Vögel dort von rohen Seeleuten massakriert werden, nimmt sich in der Folge eines verletzten jungen Alks an und begreift allmählich, dass er sich in diesem dem vermutlich letzten Überlebenden … > Weiterlesen

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Belletristik

Weil da war etwas im Wasser

Luca Kieser

Der Autor Luca Kieser ist Jahrgang 1992, wuchs in Tübingen auf und hat zunächst in Heidelberg Philosophie, danach in Leipzig am dortigen Literaturinstitut studiert. Zurecht wurde sein in diesem Jahr erschienener Debütroman Weil da war etwas im Wasser für den Deutschen Buchpreis nominiert, leistet Kieser doch etwas, was gerade unter jungen Autoren inzwischen Seltenheitswert hat: nämlich sprachlich zu experimentieren. In Zeiten künstlicher Intelligenzen, medialer Vernetzung und im virtuellen Raum generierender Sprachen, steht der personale Erzähler klassischer Bauart inzwischen wie ein exotisches Zootier aus ferner Vergangenheit da. Warum ihn also nicht durch einen Riesenkalmar ersetzen, der in jedem seiner Fangarme ein eigenes Gehirn hat und nach der Berührung mit einem Tiefseekabel … > Weiterlesen