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Klassiker in Neuausgaben

Unser nächtlicher Badeort

Stig Dagermann

Der schwedische Schriftsteller Stig Dagerman nahm sich 1954 im Alter von 31 Jahren das Leben. Der soeben im Guggolz Verlag erschienene Erzählungsband Unser nächtlicher Badeort bezeugt, dass es sich gleichwohl um einen schon im frühen Alter gereiften Ausnahmeschriftsteller gehandelt hat, der mit seltenem psychologischen und sprachlichen Feingefühl existenziellen Ausnahmesituationen und der sich darin spiegelnden elementaren Menschlichkeit Ausdruck gab. In einer auf Selbstbespiegelung und vermarktbaren Schock orientierten Gegenwartsliteratur mögen seine Texte aus den 1940er und 1950er Jahren womöglich antiquiert erscheinen, doch legen sie Zeugnis davon ab, was Literatur jenseits von Hypes und Bestsellerlisten zu leisten vermag, indem sie der Menschlichkeit selbst einen Spiegel vorhält und sie exemplarisch einfängt.  … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Billy Budd, Seemann. Ein Bericht aus erster Hand

Herman Melville

Das letzte literarische Werk Herman Melvilles ist die erst in seinem Nachlass zufällig entdeckte Novelle Billy Budd, die die Tragödie eines Waisenkinds und zutiefst gutmütigen Naturburschen in Szene setzt, der zu Beginn der Napoleonischen Kriege als zwangsrekrutierter Seemann auf einem englischen Kriegsschiff dient und infolge eines reflexhaften Faustschlags gegen einen ihm missgünstig gesonnenen Gefährten ungewollt zum Mörder wird. Es gibt Interpreten, die in diesem Text Melvilles reifstes Werk erkennen. Der Übersetzer und Dichter Alexander Pechstein hat ihn jetzt neu ins Deutsche übersetzt.… > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Magus

John Fowles

Zum 100. Geburtstag des Autors hat der Berliner März-Verlag John Fowles‘ 1965 erschienenen und bis heute in kaum einer Bestenliste zur Literatur des 20. Jahrhunderts fehlenden Großroman Magus in einer deutschen Neuausgabe herausgebracht. Held dieses literarischen Klassikers der Hippiezeit ist ein von der Lebenswelt der britischen Middle Class angenervter Lehrer, der das Angebot, an einer auf der griechischen Insel Phraxos befindlichen Privatschule tätig zu werden, als Gelegenheit zur Flucht nimmt. Dort lernt er einen griechischen Millionär und vermeintlichen Psychiater kennen, von dem er als eine Art Versuchskaninchen in ein vielschichtiges psychologisches Spiel um Identität, Begehren und Illusionen gezogen wird. Wobei es nicht zuletzt um die Kollaboration des charismatischen Griechen … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Das Epos von Gilgamesch

Das Gilgamesch-Epos als einer der ältesten überlieferten literarischen Texte hat paradoxerweise eine vergleichweise junge Rezeptionsgeschichte, die erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Übersetzung und Zusammenstellung der dieses überliefernden Tontafeln begann. Seine Rekonstruktion ist bis heute nicht abgeschlossen, etwa ein Fünftel des Textes harrt nach wie vor der Erschließung und Rekonstruktion. Gleichwohl haben sich gerade in den letzten Jahren zahlreiche renommierte Autoren an einer deutschen Übersetzung bzw. Nacherzählung des in akkadischen und sumerischen Versionen überlieferten Textes versucht – nun auch die renommierte Schriftstellerin und Übersetzerin Esther Kinsky. Ihre Nacherzählung liefert – im Unterschied zu anderen wie etwa der von Raoul Schrott – eine vorsichtige, am Text orientierte … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Ein Brief aus New York

Uwe Johnson / Matthias Dettmann

Man mag darüber streiten, ob der an ein Prosagedicht erinnernde Brief, den Uwe Johnson 1966 aus New York an Hans Magnus Enzensberger schrieb und der wenig später in dem von diesem herausgegebenen Kursbuch veröffentlicht wurde, im Rahmen des Gesamtwerkes von Johnson eine wesentliche Rolle spielt. Es handelt sich um eine provisorische Tuchfühlung, eine assoziative Kontaktaufnahme mit der von Johnson für die kommenden Jahre zum Lebensmittelpunkt erwählten Stadt. Der besondere Reiz der Neuausgabe besteht darin, dass der Künstler Matthias Dettmann Johnsons Text mit zwanzig zweifarbigen Siebdrucken kontrastiert hat. Die mit der Vorbereitung einer Uwe-Johnson-Werkausgabe befasste Germanistin Antje Pautzke steuert ein Nachwort zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Textes bei.… > Weiterlesen

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Aktuelle Buchempfehlungen Klassiker in Neuausgaben

Iguana

Anna Maria Ortese

Die italienische Schriftstellerin Anna Maria Ortese hat ihre Erzählung Iguana selbst als „romantisches Märchen“ bezeichnet. Doch wird Ortese mit der Stilsicherheit ihres Schreibens nicht allein der damit angedeuteten Traditionslinie gerecht, die auf große Autorennamen wie etwa Byron, Brentano und E.T.A. Hoffmann zurückweist. Ihre humorvolle Charakterzeichnung des auf eine verborgene Insel vor der portugiesischen Küste verschlagenen Helden inklusive dessen „Einfältigkeit“ angesichts des Wundersamen und des Versagens seiner angelernten Kompetenzen ruft ebenso große Autoren des 20. Jahrhunderts in Erinnerung, etwa Kafka, Cortázar und Clarice Lispector. Was Ortese in ihrem Märchen gelingt, ist nicht weniger als eine Dekonstruktion der kapitalistischen und rationalistischen Weltphantasien mit viel Ironie und avancierten literarischen Mitteln. Namentlich die im … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Noatun

William Heinesen

Der Schriftsteller und Bildkünstler William Heinesen (1900–1991), der auf den Färöer geboren ist und dort auch den Großteil seines Lebens verbracht hat, gilt als der Klassiker der färöischen Literatur, wiewohl seine Texte nicht im Idiom der Insel, sondern in seiner Familien- und der damaligen Amtssprache Dänisch verfasst sind. Wir haben vor geraumer Zeit schon einen im Guggolz Verlag erschienenen Band mit Erzählungen von Heinesen vorgestellt. Nun liegt auch der zweite Roman des Autors mit dem Titel Noatun – erschienen 1938 und bereits 1939 erstmals in deutscher Übersetzung verlegt – in einer Neuübersetzung aus demselben Verlag vor. Im Mittelpunkt des Buches steht eine Gruppe eigensinniger Insulaner, die beschließt, dem wenig abwechslungsreichen … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Zur Kirche

Volter Kilpi

Der finnische Schriftsteller Volter Kilpi (1874–1939) gilt als einer der besten finnischen Schriftsteller und sprachgewaltiger Erneuerer des finnischen Romans. Mit seiner Technik einer minutiösen, nahezu simultanen Beschreibung von Impressionen und Szenen weckt er stilistische Erinnerungen an James Joyce‘ Ulysses. Sein jetzt im mare-Verlag zugänglich gemachter voluminöser Roman Zur Kirche aus dem Jahr 1937 ist das abschließende Buch seiner in den finnischen Schären angesiedelten „Archipelagus-Trilogie“. Der Ort der Handlung ist ein Ruderboot, welches an einem Mittsommer-morgen zwischen den Inseln verkehrt, um die dort lebenden Einwohner einzusammeln und zum Gottesdienst in die Kirche zu bringen. Kilpi liefert eine detailreiche und farbenfrohe Schilderung des Geschehens, der auf dem Boot geführten oder … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Die Früchte des Meeres

Emile Zola

Der Hamburger mare-Verlag hat in den letzten Jahren ein untrügliches (freilich geschäftlich begründetes) Gespür für literarische Kleinodien mit maritimen Themen entwickelt und ist nunmehr auch bei dem großen französischen Romancier Emile Zola fündig geworden. In der Reihe der „kleinen Klassiker“ sind zwei seiner Novellen unter dem zusammenfassenden Titel Die Früchte des Meeres erschienen. Bei beiden Erzählungen handelt es sich indes eher um routinierte Fingerübungen des auf voluminöse Stoffe fixierten Meisters. Im der ersten, betitelt Die Muscheln des Monsieur Chabre reist ein Paar ans Meer, weil der Hausarzt dem Gatten den Genuss von Meeresfrüchten empfohlen hat, um dem Ziel einer Vaterschaft näherzukommen. Man ahnt die Wendung, die das Geschehen an … > Weiterlesen

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Aktuelle Buchempfehlungen Klassiker in Neuausgaben

Die sürrealistische Revolution

Benjamin Dittmann-Bieber, Christian Driesen (Hg.)

Der in Hamburg ansässige Textem-Verlag hat eine editorische Meisterleistung vollbracht, die einer Würdigung wert ist, auch wenn Inseln darin nur am Rand eine Rolle spielen. Immerhin hat die surrealistische Bewegung der 1920er selbst etwas von einem märchenhaften Archipel, zudem haben sich Breton & Co. ihrerseits gern auf indigene Vordenker von aller Herren Inseln berufen. Walter Benjamin hat die Bewegung der französischen Surrealisten bekanntlich als „letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz“ bezeichnet, und tatsächlich haftet den von ihr hinterlassenen literarischen und bildnerischen Werken auch hundert Jahre nach ihrer Entstehung noch etwas von diesem Glanz an (zuletzt ausgiebig zu bewundern in der großartigen Ausstellung Rendezvous der Träume in der Kunsthalle Hamburg). Der … > Weiterlesen