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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Das Meer der Libellen

Yvonne Adhiambo Owuor

Der 600 Seiten dicke Roman Das Meer der Libellen der kenianischen Autorin Yvonne Adhiambo Owuor ist nicht allein deshalb eine Empfehlung wert, weil Bücher afrikanischer Autoren auf unserem Buchmarkt nach wie vor selten sind – wirft die kenianische Schriftstellerin doch nicht nur einen eigenwilligen Blick auf ihre Heimat, sondern auch auf die globale Geschichte und Gegenwart. Ebenso bemerkenswert ist die poetische und eingängige, an uralte mündliche Erzähltraditionen gemahnende Sprache, mit der sie den Leser im besten Sinn „an die Hand nimmt“. Um einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln, hier der allererste Satz: „Die Vorfahren der Libellen, die über das Wasser jagten, stammten aus Nordindien und hatten sich von einem milden … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Nach der Sonne

Jonas Eika

Nach der Sonne ist ein im Hanser Verlag erschienener Erzählungsband des dänischen Schriftstellers Jonas Eika betitelt, für den dieser (als bisher jüngster Preisträger) den renommierten Literaturpreis des „Nordischen Rates“ erhalten hat. Die erste der fünf Erzählungen beginnt mit einem „äußerst fiktiven Flug“ (und der Anmerkung: „Streng genommen würde ich jede Flugreise fiktiv nennen.“), wobei sich der fliegende Ich-Erzähler, ein IT-Berater, an frühere Flugreisen erinnert, die er sich etwa damit vertrieb, „pantomimisch verschiedene sexuelle Szenarien“ darzustellen. In Kopenhagen gelandet eilt der Held zu einem geschäftlichen Termin mit einer Bank, muss jedoch feststellen, dass diese in einem Krater versunken ist. Genüsslich lockt der Autor seine Leser in ein dystopisches Szenario, in dem … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Der Wal und das Ende der Welt

John Ironmonger

Manchmal bekommen Bücher nachträglich eine Aktualität, die bei der ersten Lektüre noch kaum ein Leser errät. So geschehen im Fall eines Romans des britischen Schriftstellers John Ironmonger, der 2015 im englischen Original und im Frühjahr 2019 unter dem Titel Der Wal und das Ende der Welt in deutscher Übersetzung erschienen ist. Darin finden sich der Programmierer einer Londoner Investmentbank und ein gestrandeter Finnwal etwa zeitgleich in einem kleinen Küstendorf wieder und von nun an kreuzen sich zwei Handlungsstränge bzw. „Programme“: nämlich der Versuch einer Rettung des Wals und der Untergang der Menschheit. Letzterer kündigt sich im Roman vermittels einer Simulation der weltweiten ökonomischen und politischen Wechselwirkungen an, für die der … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik Rügen- und Ostseebezug

Halblicht

Irmgard Senf

Regelmäßige Gäste unserer Lesungen wissen, dass die in Sassnitz gebürtige und seit längerem wieder hier lebende Dichterin Irmgard Senf weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit eine Zucht poetischer Traumblumen betreibt und Hörer wie Leser ihrer Gedichte damit immer aufs Neue verzückt. Nach langem Warten und den Umständen geschuldeter Verschiebungen ist nun ihr neuer Gedichtband Halblicht aus dem Stralsunder mückenschwein Verlag erhältlich, der knapp sechzig Gedichte aus den letzten zwanzig Jahren umfasst. Das Meer und seine Küsten spielen dabei als Quelle poetischer Inspiration ebenso eine Rolle wie wechselvolle Reflexionen darüber, wie (bzw. was) Frauen wahrhaben, wie Liebe uns tauscht oder was Worte bedeuten. Wobei sich die aufblitzenden (Be-)Deutungen statt eindeutiger … > Weiterlesen

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Belletristik

Buch der geträumten Inseln

Lukas Maisel

Das Buch der geträumten Inseln ist der Debütroman des Schweizer Autors Lukas Maisel und zweifellos eine der originellsten und am meisten irritierenden literarischen Annäherungen an das Inselthema, die in den letzten Jahren auf den Buchmarkt gekommen sind. Der autistisch veranlagte Held des Romans, ein gewisser Robert Akeret, unternimmt auf der Suche nach dem Verbindungsglied zwischen Affen und Menschen eine Expedition ins Innere Papua-Neuguineas, bei der ihn ein Schweizer Assistent und zwei Einheimische begleiten. Dabei entpuppt sich ihm die Inselwelt zwischen Singapur und Südsee generell als eine Art Zwischenreich voller ungenauer Anspielungen und mehrdeutiger Metaphern, und es scheint nur folgerichtig, wenn sich die Spur des Helden darin nach und nach verliert. … > Weiterlesen

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Belletristik

Die Unschuldigen

Michael Crummey

Aus Kanada, dem Gastland der weitgehend ausgefallenen Frankfurter Buchmesse von 2020, kommt eine Inselgeschichte mit ebenso verführerischen wie verstörenden Facetten: der Roman Die Unschuldigen von Michael Crummey. Mit schnörkelloser Prosasprache erzählt der in Neufundland aufgewachsene Lyriker und Romancier die Geschichte eines an der einsamen und unwirtlichen Küste dieser Insel beheimateten Geschwisterpaars – eines Jungen und eines zwei Jahre jüngeren Mädchens –, das im Alter von elf bzw. neun Jahren beide Eltern verliert. Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts angesiedelte Geschichte dreht sich um den alltäglichen Überlebenskampf der Geschwister im trostlosen Klima des hohen Nordens und läuft dabei wie beiläufig auf deren einsetzende Pubertät, das erwachende sexuelle Begehren und die inzestuöse … > Weiterlesen

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Belletristik

Malé

Roman Ehrlich

Auf die Longlist für den „Deutschen Buchpreis“ schaffte es in diesem Herbst auch ein Roman des jungen Autors Roman Ehrlich, dessen Handlung sich vor einer handfesten Inselszenerie, nämlich derjenigen der Malediven, entfaltet. Allerdings ist die als Urlaubsziel beliebte Inselgruppe in Ehrlichs dystopischer Fiktion Malé bereits zu weiten Teilen im ansteigenden Indischen Ozean versunken. In den von knietiefem Wasser überfluteten Straßen der heruntergekommenen und weitegehend verlassenen einstigen Hauptstadt, die dem Buch den Titel leiht, treiben sich Abenteurer, Aussteiger, Künstler und Paramilitärs herum. In deren Milieu entspinnt sich ein halb düsteres, halb exotisches postapokalyptisches Leben, das der Autor mit bewusster Distanz und ohne übertriebenes Pathos, gleichsam aus der Position eines Beobachters schildert.… > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Proviant von einer unbewohnten Insel. Gedichte

Eva Christina Zeller

Der in Tübingen ansässige Verlag klöpfer.narr hat einen neuen Gedichtband der Schriftstellerin Eva Christina Zeller vorgelegt, in dem – neben Bäumen und Schwalben – diverse Inseln und in metaphorischem Sinn auch die Insel selbst die Hauptrollen spielen. Der erste Abschnitt unter der Überschrift Robinsonade ist vom Aufenthalt auf einer Schäreninsel des Aland-Archipels inspiriert, weitere von Ingmar Bergmans Wahlheimat Fáro, von Gotland, Venedig und der irischen Küste, zudem klingen in den poetischen Momentaufnahmen der Autorin weitere Reiseimpressionen von Finnland bis Südafrika an. Diese verbinden sich zu einem Kaleidoskop prägnanter Naturbeobachtungen und Reflexionen der mit wachen Augen und Ohren reisenden Autorin. Wenn sie Inseln etwa als „Schönheitsflecken“, „schlafende Elefanten“ oder „Steinleiber“ tituliert, … > Weiterlesen

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Belletristik

Mondariz

Yorck Kronenberg

Der Pianist und Komponist sowie unterdessen auch erfolgreiche Schriftsteller Yorck Kronenberg hat die fiktive atlantische Vulkaninsel Mondariz zum Schauplatz seines neuen Romans erwählt, und man könnte sagen, dass sie – neben einem dorthin reisenden Musikwissenschaftler und einem geheimnisumwitterten Komponisten namens José Diego Coimbra – auch die Hauptfigur dieses Romans ist. Der Autor findet sichtbaren Gefallen, seinen Lesern die Landschaft der imaginären Insel vor der Küste Uruguays in den wechselnden Beleuchtungen der Wetterlagen und Tageszeiten vor Augen zu stellen. Ihrer derart immer wieder eindrücklich beschworenen Gegenwart korrespondiert die nicht weniger zauberhafte Gestalt des Komponisten Coimbra, der auf der Insel gelebt hat und dessen Spuren der Ich-Erzähler nachfolgt. Stellt man in Rechnung, … > Weiterlesen

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Belletristik

Der Bienenleser

José Luis de Juan

Die auf die Literatur des Mittelmeerraums spezialisierte, in Bad Herrenalb im Schwarzwald ansässige kleine Edition Converso hat in den letzten Jahren schon so manchen überraschenden literarischen Fund gemacht. Nun hat sie in der Reihe „Alltagshelden“ einen Roman des mallorquinischen Autors José Luis de Juan veröffentlicht, der auf überraschende Art und Weise die Geschichte von Napoleons Verbannung auf die Insel Elba reflektiert und für den der Autor den spanischen Literaturpreis „Premio Juan March Cencillo“ erhielt. Der ruhmreiche Napoleon erhält in Juans gleichermaßen ins Groteske und Surreale tendierenden Geschichte einen eigenwilligen Gegenspieler und Dialogpartner: in Gestalt des auf Elba ansässigen Imkers Pasolini, der nicht nur so manches über Bienen weiß, sondern sich … > Weiterlesen