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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Antwort auf den Brief von Helga

Bergsveinn Birgiisson

Der isländische Schriftsteller Bergsveinn Birgisson hat schon mit seinem Roman Die Landschaft hat immer recht auch in Deutschland ein dankbares Lesepublikum gefunden. Jetzt legt der Salzburger Residenz Verlag seinen neuen Roman Antwort auf den Brief von Helga nach: Ein isländischer Schafbauer entschließt sich im hohen Alter, endlich den Brief einer Frau zu beantworten, mit der er vor Jahren ein Verhältnis hatte und die ihn zu einem gemeinsamen Neuanfang in Reykjavik ermuntern wollte. Während er damals vor einem solchen Schritt zurückschreckte, gesteht er sich und seiner Geliebten aus dem Abstand der Zeit, dass sie die einzige Frau war, die er jemals geliebt hat. Birgissons Buch ist nicht nur ein Roman über … > Weiterlesen

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Belletristik

Der andere Ort

Rachel Cusk

Der kammerstückartige neue Roman der unterdessen in Paris lebenden, kanadisch-englischen Autorin Rahel Cusk lohnt sich allein schon für den Genuss ihres kristallklaren Sprachstils, fasziniert indes gleichermaßen dank der subtilen psychologischen Konstellation der Protagonisten: Eine Frau schreibt an einen von ihr verehrten berühmten Maler und lädt diesen zu einem Sommeraufenthalt im Nebengelass ihres eigenen Hauses an einer entlegenen Küste ein, wo sie gemeinsam mit Mann und Tochter wohnt. Die Einladung bleibt eine Weile im Vagen, doch als eine weltweite Pandemie zu einbrechenden Preisen am Kunstmarkt führt, reist der verehrte Maler tatsächlich an. Allerdings  kommt er nicht allein, sondern in Begleitung einer jungen Geliebten, und in der Folgezeit wird die familiäre Ruhe … > Weiterlesen

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Belletristik

Die Nächte der Pest

Orhan Pamuk

Der voluminöse neue Roman des großen türkischen Romanciers und Literatur-Nobelpreisträgers Orhan Pamuk spielt auf der fiktiven, von christlichen Griechen und muslimischen Türken bewohnten Mittelmeerinsel Minger und ist in den Jahren um 1900 angesiedelt. Eine einbrechende Pestepidemie erweist sich als Katalysator heftiger politischer Turbulenzen – beginnend mit der Ermordung des vom Sultan entsandten Seuchenbeauftragten und mündend in einer Serie von Attentaten, Putschen bis hin zur Loslösung der Insel vom Osmanischen Reich. Mit seinem bereits 2016, lange vor der Corona-Epidemie begonnenen Roman versucht Pamuk eine epische Parabel, die mit grotesken Übertreibungen auf die Bloßstellung korrumpierter bürokratischer Eliten und eines vollkommen bodenlosen Nationalismus gleichermaßen zielt. Dass die an klassischen Epidemie-Berichten wie dem Daniel … > Weiterlesen

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Belletristik

Zum Paradies

Hanya Yanagihara

Mit ihren viel beachteten Romanen Das Volk der Bäume und Ein wenig Leben hat die aus Hawaii stammende US-amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara zwei internationale Bestseller vorgelegt, die zu den meist besprochenen und meist verkauften der letzten Jahre gehören. Im Januar 2022 erschien nun ihr dritter Roman – zeitgleich mit dem englischen Original auch in deutscher Übersetzung – ein 900 Seiten starkes Mammutwerk unter dem Titel Zum Paradies, dessen drei Teile 1893, 1993 und 2093 angesiedelt sind und eine von Anbeginn surreale, mehr und mehr dystopische Welt aus der Zentralperspektive der Inselstadt New York zeichnen.

Schon in ihren ersten Romanen hat sich Yanagihara nicht davor gescheut, ihre Leser mit grotesken … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Gegenwindschiff

Jaan Kross

Der Hamburger Osburg-Verlag überrascht in regelmäßigen Abständen mit literarischen Entdeckungen – diesmal mit der Übersetzung eines bereits 1987 erschienenen biographischen Romans des großen estnischen Schriftstellers Jaan Kross (1920–2007), der das Leben des Optikers, Astronomen und Erfinders Bernhard Schmidt (1879–1935) zum Thema hat. Der Autor räumt im Vorwort ein, dass er sich am Ende ausgiebiger Recherchen über Schmidts Leben und intensiven Gesprächen mit noch lebenden Bekannten dennoch für einen literarischen Umgang und die Freiheiten der Romanform entschieden hat. Im Roman selbst wird die ambivalente Annäherung des Autors an seinen Helden nachvollzogen, indem die Rekonstruktion von Schmidts Lebensgeschichte durch Berichte von Kross‘ Recherchen, Begegnungen und Unterhaltungen unterbrochen und angereichert wird.

Bernhard … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Ferne Gestade

Abdulrazak Gurnah

Mit der Kür des aus Sansibar stammenden, seit 1968 in Großbritannien beheimateten Abdulrazak Gurnah hat das aktuelle Nobelpreiskomitee Instinkt und eine glückliche Hand bewiesen – zumal der Preisträger bis dahin nur Eingeweihten bekannt und keiner seiner in deutscher Übersetzung vorliegenden Titel im Buchhandel noch lieferbar war. Die beiden seitdem im Penguin Verlag erschienenen Romane Das verlorene Paradies und Ferne Gestade weisen ihn als mitreißenden Erzähler aus, der den mythischen Kosmos um den Indischen Ozean kursierender Erzählungen in eine moderne Prosasprache übersetzt und dabei mühelos den Bogen von Tausendundeiner Nacht über ostafrikanische Lebenswelten zu Impressionen aus der späten DDR und dem Schicksal gegenwärtiger Migranten schlägt.

Der Autor nimmt diese entrückte Perspektive … > Weiterlesen

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Belletristik

Pflaumenregen

Stephan Thome

Der Autor Stephan Thome, geborener Hesse, lebt nach Stationen in mehreren Ländern Ostasiens seit mehr als einem Jahrzehnt auf Taiwan. Eben dort spielt auch sein neuer, bei Suhrkamp erschienener Roman Pflaumenregen. Die darin erzählte facettenreiche Familiengeschichte lässt die außergewöhnliche Geschichte der Insel Taiwan von der japanischen Kolonialzeit über die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende Sinisierung bis in die Gegenwart auch für uneingeweihte Leser überaus lebendig werden. Sie lässt sich zugleich als Liebeserklärung des Autors an seine „zweite Heimat“ lesen – parallel zu dem Roman ist bei Piper im Übrigen eine ebenfalls von Thome verfasste „Gebrauchsanweisung für Taiwan“ erschienen.

Die Handlung des Romans entzündet sich an Ereignissen, die im Zusammenhang … > Weiterlesen

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Belletristik

Winkel der Welt

Matthias Senkel

Matthias Senkel, 1977 in Greiz geboren und heute in Leipzig lebend, haben es die vom gewöhnlichen Festland abgeschotteten und eben dadurch zu allerlei Seltsamkeiten neigenden Inseln ganz offenkundig angetan. Wer hinter seinem neuen Erzählband Winkel der Welt indes ein weiteres Supplement der in den letzten Jahren leidlich abgegrasten „abgelegenen“, „unerforschten“ und wie auch immer „sagenhaften“ Inseln vermutet, liegt definitiv falsch. Richtiger wäre zu sagen, dass der Autor die zuletzt überbordenden Nachrichten über solch entlegene Orte auf literarischem Weg überbietet – indem er noch ganz andere Landschaften, Historien und ganze Sprachen wie etwa das „Waka-Jawakanische“ ersinnt und derart vorführt, dass es vor allem ein schöpferischer, fabulierender Geist ist, dem wir diese … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Das Dämmern der Welt

Werner Herzog

Dem im Hanser Verlag erschienenen Buch des bekannten Filmemachers Werner Herzog liegt der reale Fall des japanischen Leutnants Hiroo Onoda zugrunde, der am Ende des Zweiten Weltkrieges mit wenigen weiteren Soldaten auf der zu den Philippinen gehörigen Insel Lubang zurückgeblieben war, sich im dortigen Dschungel verschanzte und – weitgehend abgeschnitten von Informationen über den Verlauf der Weltgeschichte – noch bis 1974 im Kampf gegen die vermeintlichen Kriegsgegner verblieb. Erst als sein ehemaliger Vorgesetzter ihn 30 Jahre nach Kriegsende aufsuchte und offiziell von seinem Dienst entband, war Onoda bereit, „die Waffen niederzulegen“ und kehrte nach Japan zurück. Die Kombination zweier an sich schon unglaublicher Vorgänge – des jahrzehntelangen einsamen Überlebens im … > Weiterlesen

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Belletristik

Kurz vor dem Vergessen

Alice Zeniter

Der Roman Kurz vor dem Vergessen der jungen französischen Schriftstellerin Alice Zeniter erschien in Frankreich bereits 2015 und liegt jetzt in deutscher Übersetzung vor. Zeniter wurde dem deutschsprachigen Publikum vor zwei Jahren durch ihren autobiographisch inspirierten, die Geschichte einer algerisch-stämmigen französischen Familie aufgreifenden Roman Die Kunst zu verlieren bekannt. Nun hat der Berlin-Verlag auch ihren in Frankreich bereits zuvor erschienenen Roman herausgebracht – in chronologischer Zählung der vierte der bei Erscheinen noch nicht einmal dreißigjährigen Autorin, die ihr erstes publiziertes Buch noch als Schülerin verfasst hat.

Die sublime Mischung von sprachlicher Gewandtheit und formaler Experimentierfreude mit existenziellen Themen und ausgesprochenem Lesevergnügen weisen Zeniter als begnadete Erzählerin aus, der komplexe … > Weiterlesen