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Belletristik

Heute beißen die Fische nicht

Ina Westman

Ina Westman ist eine Schriftstellerin, Bloggerin und Kommunikationsmanagerin aus Helsinki, die zudem ein Sommerhaus auf einer Insel im finnischen Schärengarten besitzt. Eine eben dort gelegene Insel bildet auch die Kulisse ihres zweiten Romans Heute beißen die Fische nicht, indem es um die Lebenswelt einer finnischen Kleinfamilie – Vater, Mutter, Kind, Großvater – und um die großen Fragen des Menschsseins – Leben und Tod, Normal- und Verrücktsein – geht. Die Protagonisten kommen einander abwechselnd als Ich-Erzähler des sommerlichen Inseldaseins zu Wort. Wobei die durch eine reißverschlussartige Narbe am Kopf gezeichnete Mutter im eigentlichen Brennpunkt des Geschehens steht und bei allen Beteiligten für die meiste Aufregung sorgt: indem sie Dinge denkt … > Weiterlesen

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Belletristik

Die Himmelskugel

Olli Jalonen

Der preisgekrönte Roman Die Himmelskugel des finnischen Autors Olli Jalonen, der im mare-Verlag neu erschienen ist, spielt ausgangs des 17. Jahrhundert auf zwei zum britischen Empire gehörigen, gleichwohl grundverschiedenen Inseln: St. Helena und Großbritannien. Man könnte ihn vielleicht einen „Abenteuerroman der Aufklärung“ nennen. Seine drei Helden sind der Astronom und Gelehrte Edmond Halley, der dem vermutlich berühmtesten aller Kometen seinen Namen geliehen hat, ein auf St. Helena wirkender Pastor und Inselchronist sowie schließlich ein begabter achtjähriger Junge, der in Halleys Fußstapfen treten will. Angelpunkt der Geschichte ist der historisch verbürgte Aufenthalt Halleys auf St. Helena 1677, wo der Gelehrte nach dem Willen des Autors die Bekanntschaft des aufgeweckten Jungen … > Weiterlesen

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Belletristik

Mister Potter

Jamaica Kincaid

Im Züricher Kampa Verlag, der sich regelmäßig mit Neuauflagen prägender Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hervortut, sind in diesem Frühjahr zwei Bände der karibisch-amerikanischen Autorin Jamaica Kincaid erschienen, die auf der schon von Kolumbus besuchten Karibikinsel Antigua geboren und aufgewachsen ist. Die 1949 geborene, in ärmlichen Verhältnissen in der damals noch britischen Kolonie aufgewachsene Kincaid gehörte in den 1970er Jahren zu den schillernden Figuren der New Yorker Künstlerszene und ist heute Harvard-Professorin für African and African American Studies. Ihre literarischen Werke sind über weite Strecken in ihrer karibischen Heimat angesiedelt und lesen sich wie Beschwörungen der Natur, der menschlichen Bewohner und der Geister der Inseln. So auch die … > Weiterlesen

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Belletristik

Eroberung

Laurent Binet

Der für subtile Balanceakte zwischen spannender Erzählung und intellektuellem Diskurs bekannte französische Autor Laurent Binet betätigt sich mit seinem neuen Roman Eroberung als Trendsetter einer Art „postfaktischer Weltfiktion“. In mitreißenden historischen Bögen schreibt er die großen Entdeckungen und die daran anschließende Konquista um und spielt eine Version der Weltgeschichte durch, in deren Verlauf Europa seinerseits von indianischen Seefahrern kolonialisiert wird. Als vorentscheidend für diese Wendung der Geschichte erweist sich, dass eine entschlossene Wikingerin mit ihrer männlichen Crew bereits bis nach Südamerika vorgestoßen ist und derart die amerikanischen Ureinwohner mit Antikörpern gegen die von den europäischen Seefahrern eingeschleppten Seuchen aufgerüstet hat. Alles Weitere bis zur Versklavung von Miguel de Cervantes und … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Tahiti Utopia

Michal Hvorecky

Nachdem die Faktizität sich in den letzten Jahren mehr und mehr aus dem politischen Diskurs verflüchtigt hat und dieser sich selbst zu guten Stücken in eine Untergattung der phantastischen Literatur verwandelt hat, ist es offenbar Zeit für eine Romanliteratur geworden, die umgekehrt verfährt und denkbare andere regionale bzw. globale Geschichten generiert. Man könnte vielleicht probeweise von „postfaktischen Weltfiktionen“ sprechen. Neben dem Franzosen Laurent Binet, dessen Roman Eroberung die Kolonialisierung Amerikas ins Gegenteil verkehrt, hat sich auch der slowakische Autor Michal Hvorecky mit seinem neuen Roman Tahiti Utopia einer solchen Fiktion verschrieben. Darin imaginiert er einen Verlauf der Versailler Verhandlungen nach dem 1. Weltkrieg, in dessen Folge die heutige Slowakei dem … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Das grüne Auge

Nathacha Appanah

Der von Nathacha Appanah verfasste Roman Das grüne Auge ist in dem umtriebigen Baseler Lenos Verlag in deutscher Übersetzung erschienen, hat bereits mehrere Preise erhalten und war auch für den Prix Goncourt nominiert. Die Autorin selbst ist auf Mauritius geboren, ihre Geschichte spielt auf einer zu den französischen Überseedistrikten gehörigen Insel der Komoren. Die Handlung verknüpft mythologische und realistische Motive, ihr Held ist ein Junge, der mit einem schwarzen und einem grünen Auge auf die Welt gekommen ist. Nach dem Tod seiner Ziehmutter muss er sich als Straßenjunge behaupten, wobei er ins raue Milieu von Drogenhandel und Gewalt gerät. All dies wird aus wechselnden Perspektiven verschiedener beteiligter Personen erzählt, vor … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Wallace

Anselm Oelze
Der Titel gebende Held des Romandebüts von Anselm Oelze ist der britische Naturforscher Alfred Russell Wallace (1823–1913), der seine im Malaiischen Archipel gemachten Beobachtungen zur natürlichen Auslese der Arten 1858 brieflich an Darwin vermeldet und damit einen bis heute in seiner Bedeutung umstrittenen Beitrag zur Formulierung der Evolutionstheorie geleistet hat. Man könnte durchaus sagen, dass es Wallace auf der Bühne der Wissenschaftsgeschichte ähnlich erging wie gewissen im Verlauf der Evolution des Lebens ausgestorbenen Arten, indem sein maßgeblicher Anteil an der Evolutionstheorie weitgehend unbekannt blieb. Sein Nachruhm beschränkt sich im Wesentlichen auf die später nach ihm benannte, zwischen den indonesischen Inseln verlaufende „Wallace-Linie“, die die aus dem asiatischen bzw. australischen Raum… > Weiterlesen
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Belletristik

Kanalschwimmer

Ulrike Draesner

Der im mareverlag erschienene Roman von Ulrike Draesner besticht gleichermaßen durch psychologische Genauigkeit und poetische Intensität. Held des Buches ist ein Mann von Anfang 60, der nach 37 Ehejahren die Ankündigung seiner Frau zu verdauen hat, künftig mit einem langjährigen Freund des Paares zusammenleben zu wollen. Derart vor die Aufgabe gestellt, seinen Lebensplan an der Schwelle zum Ruhestand generell zu überdenken, fasst er den Entschluss, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Neben dem zutiefst männlichen Anspruch, sich selbst und der Welt noch einmal unmissverständlich die eigene Stärke zu bewiesen, steht hinter diesem Selbstversuch auch die Sehnsucht nach einer Art Reinigungsritual und die Suche nach der Wahrheit der eigenen Lebensgeschichte. Die Autorin begleitet … > Weiterlesen

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Aktuelle Empfehlungen Belletristik

Das Meer der Libellen

Yvonne Adhiambo Owuor

Der 600 Seiten dicke Roman Das Meer der Libellen der kenianischen Autorin Yvonne Adhiambo Owuor ist nicht allein deshalb eine Empfehlung wert, weil Bücher afrikanischer Autoren auf unserem Buchmarkt nach wie vor selten sind – wirft die kenianische Schriftstellerin doch nicht nur einen eigenwilligen Blick auf ihre Heimat, sondern auch auf die globale Geschichte und Gegenwart. Ebenso bemerkenswert ist die poetische und eingängige, an uralte mündliche Erzähltraditionen gemahnende Sprache, mit der sie den Leser im besten Sinn „an die Hand nimmt“. Um einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln, hier der allererste Satz: „Die Vorfahren der Libellen, die über das Wasser jagten, stammten aus Nordindien und hatten sich von einem milden … > Weiterlesen

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Belletristik

Nach der Sonne

Jonas Eika

Nach der Sonne ist ein im Hanser Verlag erschienener Erzählungsband des dänischen Schriftstellers Jonas Eika betitelt, für den dieser (als bisher jüngster Preisträger) den renommierten Literaturpreis des „Nordischen Rates“ erhalten hat. Die erste der fünf Erzählungen beginnt mit einem „äußerst fiktiven Flug“ (und der Anmerkung: „Streng genommen würde ich jede Flugreise fiktiv nennen.“), wobei sich der fliegende Ich-Erzähler, ein IT-Berater, an frühere Flugreisen erinnert, die er sich etwa damit vertrieb, „pantomimisch verschiedene sexuelle Szenarien“ darzustellen. In Kopenhagen gelandet eilt der Held zu einem geschäftlichen Termin mit einer Bank, muss jedoch feststellen, dass diese in einem Krater versunken ist. Genüsslich lockt der Autor seine Leser in ein dystopisches Szenario, in dem … > Weiterlesen