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Belletristik

Air

Christian Kracht

Paul, von Beruf Dekorateur und Held von Christian Krachts jüngstem Roman, hat seine Heimat Schweiz mit den Orkney-Inseln getauscht, wo er für ein Design-Magazin arbeitet. Von diesem erhält er einen merkwürdigen, gleichwohl gut dotierten Auftrag, der ihn nach Norwegen führt, wo er einem Datenzentrum einen Innenanstrich von außerordentlichem Weiß verpassen soll. Dass der Held bald darauf in einem zweiten Erzählstrang auftaucht, der in einem mythologisch-urzeitlich anmutenden Mittelalter spielt, lässt darauf schließen, dass die Reise nach Norwegen ihn über dieses Ziel hinaus an ganz andere Orte führt. Schuld ist ein schwerer Sonnensturm, der offenbar den gewohnten Zeitablauf durcheinandergebracht hat. Zusammen mit einem Mädchen namens Ildr, das ausgezeichnet mit dem Bogen schießen … > Weiterlesen

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Belletristik

Die Insel Kolbeinsey

Bergsveinn Birgisson

Bergsveinn Birgisson, geboren 1971 in Rejkjavik, studierte altnordische Literatur in Bergen (Norwegen) und forscht zur Dichtung des skandinavischen Mittelalters. Er publizierte mehrere Gedichtbände, Essays und preisgekrönte Romane, u.a. Die Landschaft hat immer recht und Antwort auf den Brief von Helga (2022). Der Wiener Residenz-Verlag hat sich auch seines neuesten Romans angenommen, der eine beinahe filmreife Verfolgungsjagd durch die isländische Berg- und Küstenlandschaft und bis auf die entlegene Insel Kolbeinsey hinter dem Polarkreis zum Thema hat. Anlass der Handlung ist der Umstand, dass ein depressiver Mann in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wird und dessen als Ich-Erzähler fungierender Freund beschließt, ihn daraus zu befreien. Das flüchtige Duo wird auf seinem … > Weiterlesen

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Die Leute von Oetimu

Felix K. Nesi

Felix K. Nesi ist ein auf West-Timor geborener und aufgewachsener Schriftsteller, der unterdessen für sein Werk mehrere internationale Preise erhielt. Der Hamburger Edition Nautilus ist zu danken, dass sein Roman Die Leute von Oetimu nunmehr in einer deutschen Übersetzung vorliegt, die Lust auf weitere Werke dieses stilsicheren Autors macht, der es versteht, regionale Geschichte mit mythischen Anleihen, drastischen Sex- und Gewaltszenen, aber auch poetischen Ortsbeschreibungen zu einer spannenden Romanhandlung zu verknüpfen. Angelpunkt der Handlung ist das Finale der Fußball-WM 1998. Während die Männer der Gemeinde Oetimu auf Ost-Timor gemeinsam vor einem Fernseher sitzen, ereignet sich ein brutaler Überfall, der der Familie eines früheren pro-indonesischen Offiziers gilt und sich als lang … > Weiterlesen

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Halbinsel

Kristine Bilkau

Kristine Bilkau ist seit 2015 mit zwei Romanen und einem Essay über das Schwimmen hervorgetreten. Ihr neuer Roman Halbinsel hat als Preisträger der diesjährigen Leipziger Buchmesse namhafte Konkurrenten wie Christian Krachts Air aus dem Rennen geschlagen. Die den Titel liefernde Halbinsel liegt im friesischen Wattenmeer und ist die Heimat der 49-jährigen Annett, die neben ihrer Tochter Linn eine der Heldinnen dieser subtilen Mutter-Tochter-Geschichte ist. Letztere ist zum Zeitpunkt der Handlung genau halb so alt wie ihre Mutter und arbeitet als Volontärin für ein ökologisches Projekt – bis sie während eines Vortrages anlässlich einer Tagung einen Schwächeanfall erleidet und zusammenbricht. Als Annett Linn zunächst im Krankenhaus besucht und beide zusammen daran … > Weiterlesen

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Das Wunder von Paradise Deep

Michael Crummey

Der aus Neufundland gebürtige Schriftsteller Michael Crummey, Jahrgang 1965, hat schon mehrfach mit in seiner Heimat angesiedelten – halb mythisch ausgreifenden, halb zeitgenössisch realistischen – Romanen auf sich aufmerksam gemacht. Sein neuester beginnt mit einem an der Küste des Fischerdorfs Paradise Deep strandenden Wal, in dessen Bauch die Bewohner auf einen stummen, nach Fisch stinkenden, wiewohl lebenden Mann stoßen. Sie verleihen ihm den Namen Judah, allein die Frage, ob seine Ankunft als göttlicher Fingerzeig oder unheiliges Omen zu verstehen ist, lässt sich nicht so leicht entscheiden. Der Fortgang der Geschichte gibt dem Autor Gelegenheit, nicht nur die Küstenlandschaft und ihre Bewohner mit ihren in mythische Vorzeiten zurückreichenden Familiengeschichten Revue passieren … > Weiterlesen

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Der Junge aus dem Meer

Garret Carr

Der Debütroman des Iren Garret Carr spielt in einem kleinen Dorf an der irischen Westküste. Die Handlung beginnt im Jahr 1973, als am Strand ein Baby gefunden wird, welches der Fischer Ambrose und seine Frau Christine adoptieren. Der Name Brendan, den sie dem Findling geben, erinnert an mehrere halbmythische Seefahrer und Wandermönche des frühen Mittelalters, den heiligen Brendan des im Mittelalter europaweit gelesenen Reisebuchs und den Kirchengründer Brendan von Birr. Wie die Herkunft des Jungen den Dorfbewohnern ein Rätsel bleibt, so im weiteren Verlauf auch der Junge selbst, von dem gleichwohl eine andauernde Faszination ausgeht. Der Roman folgt der Geschichte des heranwachsenden Jungen und des Dorfes, das ihm zur Heimat … > Weiterlesen

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Aktuelle Buchempfehlungen Klassiker in Neuausgaben

Streichhölzer

Ásta Sigurðardóttir

Dem umtriebigen Guggolz-Verlag ist eine weitere großartige Wiederentdeckung auf dem Gebiet der nordeuropäischen Literatur des 20. Jahrhunderts zu danken. Die Schriftstellerin Ásta Sigurðardóttir lebte von 1930 bis 1971 und gilt aus mehreren Gründen als Ausnahmeerscheinung in der isländischen Literatur. Ihre Werke und ihr kurzes Leben sorgten im noch über weite Strecken traditionellen Island der 1950er und 60er Jahre gleichermaßen für Aufsehen. Ihre Biographie zieren zahllose Liebschaften, die oft genug zu Schwangerschaften führten. Sigurðardóttir bestritt ihren Lebensunterhalt u.a. als Aktmodell, brachte sechs Kinder zur Welt, von denen die meisten in Pflegefamilien aufwuchsen. Ihre literarische Produktivität ging mit extensivem Alkoholgenuss der Autorin einher, nichtsdestotrotz bestechen sie durch Empfindsamkeit, Einfühlungsvermögen, formale Präzision und … > Weiterlesen

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Aktuelle Buchempfehlungen Belletristik

Unmöglicher Abschied

Han Kang

Die koreanische Autorin Han Kang war vor der Auszeichnung mit dem Literatur-Nobelpreis im letzten Herbst hierzulande nur Eingeweihten und insbesondere durch ihren Roman Die Vegetarierin bekannt. Ihr im Dezember auf Deutsch erschienener neuer Roman Unmöglicher Abschied widmet sich nun gleichermaßen einem Inselthema, der Frage nach dem Wesen von Freundschaft und einem bis heute nur ansatzweise aufgeklärten Massaker an der Bevölkerung der koreanischen Insel Jeju im Jahre 1948, als unter dem Vorwand der Bekämpfung eines kommunistischen Aufstands zehntausende Einwohner, ein Großteil davon Frauen und Kinder, verfolgt und ermordet wurden. Die Rahmenhandlung, die die Geschichte in Gang bringt, ist einfach: Die auf der Insel beheimatete Fotografin und Künstlerin Inseon wird nach einem … > Weiterlesen

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Aktuelle Buchempfehlungen Sachbücher und Bildbände

Allein auf See.

Richard J. King

Richard J. King ist seit 30 Jahren passionierter Segler, zudem Schriftsteller und Professor für Maritime Geschichte und Literatur an der SEA Education Association in Woods Hole, Massachusettes. In seinem neuen Buch widmet er sich der Frage, was Menschen bewegt, sich völlig allein auf eine Reise über offene Ozeane zu begeben? Die Antworten, die er darauf findet, sind vielschichtig, und es kommt seinem Buch zugute, dass ihm die doppelte Perspektive von eigener Erfahrung und gelehrter Beschäftigung mit den Reiseberichten von anderen einsamen Ozeanüberquerern zur Verfügung steht. Nicht zuletzt interessiert ihn die psychologische Seite des Themas: Um welche menschlichen Persönlichkeiten handelt es sich, die diesen gefahrvollen Grenzgang über die Meere wagten? Wie … > Weiterlesen

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Autobiographische Essays

Ein halber Löffel Reis

Dacia Maraini

Die italienische Schriftstellerin Dacia Maraini trat bereits im letzten Jahr in unsere Wahrnehmung, als – ebenfalls im Folio Verlag – ihr 1962 publizierter Debütroman Tage im August in deutscher Neuübersetzung erschien. Daran wird die Geschichte eines 14-jährigen italienischen Mädchens erzählt, das im Sommer 1943 als Halbwaise in einem Internat lebt und seine ersten erotischen Erfahrungen macht. Tatsächlich verbrachte die Autorin selbst einen Großteil ihrer Kindheit in Japan, wo ihre Familie während des Zweiten Weltkriegs ansässig war und aufgrund der Weigerung ihres Vater, die japanische Militärgesetzgebung zu akzeptieren, schließlich ins Konzentrationslager geriet. Was Maraini dort als Kind erlebte, übersteigt zum Teil heutige Vorstellungskraft und lässt an Augenzeugenberichte aus deutschen und russischen … > Weiterlesen