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Belletristik Rügen- und Ostseebezug

Wenn die Chinesen Rügen kaufen, dann denkt an mich

Friedrich Christian Delius

Der Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius hat sich als literarischer Chronist der Gegenwart schon in Zeiten der deutschen Teilung einen Namen gemacht. In hiesigen Gegenden wurde er vor allem durch seine 1995 erschienene Erzählung Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus bekannt. Sein jüngster Roman bietet nicht nur für Freunde seines essayistischen Schreibstils, sondern auch für Rüganer und passionierte Rügen-Urlauber eine anregende und vergnügliche Lektüre. Darin präsentiert F.C. Delius das fiktive Tagebuch eines entlassenen Wirtschaftsredakteurs, das dieser fünf Tage nach der Bundestagswahl am 30.9.2017 beginnt und bis zum 9. Juli des Folgejahres weiterführt, an dem die letzten Tranchen des EU-Hilfspakets für Griechenland angewiesen werden.

Der Tagebuchschreiber mit dem Spitznamen „Kassandra“ hat diese … > Weiterlesen

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Belletristik

Eine Geschichte des Windes

Raoul Schrott

Der österreichische Fabulierkünstler und Gedankenabenteurer Raoul Schrott hat dem geneigten Publikum auch in diesem Jahr ein Beispiel seiner unerschöpflichen literarischen Phantasie zugeeignet und dieses geradezu barock betitelt: „Eine Geschichte des Windes oder Von dem deutschen Kanonier der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal“. Von der angekündigten „Geschichte des Windes“ erzählt der in Anlehnung an frühneuzeitliche Reiseberichte anspruchsvoll aufgemachte Band aus dem Hanser Verlag indes nicht viel. Die beiden Helden des Romans sind vielmehr erstens ein deutscher Seefahrer namens Hannes aus Aachen, seines Zeichens in spanischen Archivakten erwähnter Kanonier und Überlebender von Magellans epochaler erster Weltumseglung sowie Teilnehmer weiterer Weltreisen in den Jahren 1525 und … > Weiterlesen

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Miroloi

Karen Köhler

Das Wort „Miroloi“ ist Griechisch und bedeutet „Klagelied“. Kaum ein Buch der Saison ist so ausgiebig besprochen und gleichermaßen gefeiert und verrissen worden wie Karen Köhlers gleichnamiger Debütroman. Die Heldin des Buches ist eine widerspenstige junge Frau, die als Findelkind auf einer fiktiven griechischen Insel namens „Schöne Insel“ aufgewachsen ist – in einem Dorf namens „Schönes Dorf“, wo tradierte Bräuche gelten, Frauen so gut wie keine Rechte haben und die Macht der Männer keine Grenzen kennt. Die namenlose Ich-Erzählerin kann nicht anders, als gegen diese Strukturen aufzubegehren, und eben davon erzählt dieses Buch, dem die Autorin einen bezeichnenden Satz von Hannah Arendt vorangestellt hat: „Kein Mensch hat das Recht zu … > Weiterlesen

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Nach seinem Bilde

Jérôme Ferrari

Der korsische Goncourt-Preisträger Jérome Ferrari hat auch in seinem neuen Roman mehrere Themen und Handlungsstränge kunstvoll zusammengeführt: die Geschichte und phänomenologische Tiefendimension der Fotografie, den korsischen Separatismus seit den 1970er Jahren, den Jugoslawienkrieg in den 1990ern und von all dem angeregte philosophische und religiöse Überlegungen über Tragik und Sinn menschlichen Lebens und Sterbens. Die Hauptfigur des Buches ist eine Fotografin und Kriegsreporterin. Der Roman beginnt im August 2003, als diese in der korsischen Hafenstadt Calvi auf Korsika einen Söldner wiedertrifft, an dessen Gesicht sie sich aus dem Jugoslawienkrieg erinnert, und am folgenden Tag tödlich verunglückt. Die an dieses knapp geschilderte Ereignis anschließenden, aus wechselnden Perspektiven erzählten Rückblenden führen dem Leser … > Weiterlesen

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Die Unsichtbaren. Eine Insel-Saga

Roy Jacobsen

Die Roman-Trilogie Die Unsichtbaren des norwegischen Dichters Roy Jacobsen, ist auf der kleinen Insel Barrøy im Norden Norwegens angesiedelt und spielt zwischen 1913 und der Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die beiden ersten Romane der Trilogie sind in der Übersetzung von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann unter den Titeln Die Unsichtbaren und Weißes Meer schon 2014 und 2016 im Hamburger Osburg-Verlag erschienen. Jetzt hat sich der in München ansässige Verlag C.H. Beck der gesamten Trilogie angenommen und nicht nur den letzten Teil Die Augen der Rigel, sondern unter dem Titel Die Unsichtbaren alle drei Romane in einem Band publiziert. Das Unternehmen ist sinnfällig, insofern die drei Romane … > Weiterlesen

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Der europäische Frühling

Kaspar Colling Nielsen

In seinem neuen Roman Der europäische Frühling leistet der dänische Autor Kaspar Colling Nielsen seinen Beitrag zum Genre der postmodernen Inselutopie, das seit kurzem immer mehr in Mode kommt. In dem von ihm ausgemalten Dänemark der nahen Zukunft herrschen chaotische Zustände. In den Großstädten toben Straßenkämpfe, und das Flüchtlingsproblem wird dadurch gelöst, dass man eintreffende Emigranten in eine vom dänischen Staat gepachtete Kolonie an der Küste Mosambiks deportiert. Die Helden des Buches, eine Neurowissenschaftlerin, ihr Mann Stig, seines Zeichens Galerist und ehemaliger Punk, sowie deren psychisch labile Tochter Emma entschließen sich im Verlauf der Erzählung zum Umzug auf die Insel Lolland, die als scharf bewachte Wohlstandsenklave mit ökologischer Bewirtschaftung vom … > Weiterlesen

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Sendbo-o-te

Yoko Tawada

Die in Berlin lebende japanische Schriftstellerin Yoko Tawada hat einen postapokalyptischen Inselroman geschrieben, der in einem von der übrigen Welt vollkommen abgeschnittenen Japan spielt, wo fast alle Tiere ausgestorben, die Pflanzen mutiert, die Böden vergiftet sind und die Neugeborenen mit unheilbaren Krankheiten zur Welt kommen. Indes erschließt sich dem Leser die ganze Katastrophe erst nach und nach bei der Lektüre, denn tatsächlich geht das gesellschaftliche Leben danach weiter, wenn auch in Gestalt surrealer Szenarien: Die Regierung wurde irgendwann „privatisiert“, die vormaligen Polizeitruppen ziehen als Blaskapellen durch die Straßen, über die in den Städten klaffenden Abgründe wurden Glasplatten verlegt und in den Buchhandlungen werden von Dichtern gefertigte Messer angeboten. Auch uralte … > Weiterlesen

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Wild wie die Wellen des Meeres

Anna Stern

Die junge Schweizer Autorin Anna Stern erhielt im letzten Jahr beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb den 3sat-Preis. Ihr Roman Wild wie die Wellen des Meeres aus dem Züricher Salis Verlag spielt in den schottischen Highlands und auf der Schweizer Seite des Bodensees. Seine Helden sind zwei junge Liebende: die schwangere Ava Garcia, die sich entscheiden muss, ob sie ihr Kind behält und ihr Freund Paul Faber – das Thema, um das sich die Handlung dreht: ihre konfliktreiche Beziehung, die dazugehörigen psychischen Spannungsfelder sowie die Lebens- und Familiengeschichte der Heldin. Der Roman fesselt nicht nur dank der knappen und nüchternen, gleichwohl poetischen Sprache der Autorin, sondern überrascht zudem durch die Einbeziehung von Fotografien, … > Weiterlesen

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Die Frauen von Själö

Johanna Holmström

Der Roman Die Frauen von Själö der in Helsinki lebenden, zur schwedischen Minderheit in Finnland gehörigen jungen Autorin Johanna Holmström basiert auf einer authentischen Geschichte, die zugleich eine kulturpraktische Seite von Inseln, nämlich die als prädestinierte Isolierstation, reflektiert: Auf der kleinen Insel Själö, die zu den finnischen Schären gehört, befand sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Nervenheilanstalt für Frauen, deren Akten die Autorin eingesehen hat. Einige der dorthin eingelieferten Frauen macht sie mit ihren exemplarischen Lebensgeschichten zu den Heldinnen ihres Buches. Die Gründe für ihre Internierung sind höchst unterschiedlich – während die 1891 eingelieferte Kristina ihre Kinder ertränkt hat, scheint die schwer erziehbare 17-jährige Elli vierzig Jahre später allenfalls … > Weiterlesen

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Und andere Formen menschlichen Versagens

Lennardt Loß

Ein ehemaliger RAF-Terrorist begibt sich 1992 nach Buenos Aires, um sich dort ohne großes Aufsehen die in seinem Bauch verbliebene Kugel aus einem Polizeigewehr herausoperieren zu lassen. Doch vor der brasilianischen Küste verschwindet seine Maschine, während die Flugbegleiter Butterkuchen servieren, mit einem Mal vom Radar. Einige Stunden später stürzt sie in den Pazifik, und der frühere Terrorist schafft es eben noch, einer neben ihm treibenden jungen Frau einige Episoden seiner Lebensgeschichte zu erzählen. Diese wiederum, Tochter eines Immobilienmaklers und „Parkhauspapstes“ und einer horrorfilmsüchtigen Mutter, wird als einzige Überlebende des Unglücks auf eine einsame Insel verschlagen und irgendwann via Google Earth von einem neurotischen Nerd entdeckt … In einer Folge skurriler, … > Weiterlesen