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Autobiographische Essays Sachbücher und Bildbände

Mit den Feen

Sylvai Tesson

Der französische Geograph, Extremsportler und Reiseschriftsteller Sylvain Tesson, Jahrgang 1972, hat bereits ein Dutzend ziemlich erfolgreicher Bücher vorgelegt und gilt inzwischen auch über Frankreich hinaus als Meister eines zeitgenössischen Nature Writing. Dabei zieht es ihn vor allem in entlegene und einsame Gegenden, wo er dem Objekt seiner Sehnsucht als Wanderer oder Seefahrer gegenüber steht – in eisige Höhen, menschenleere Steppen, über die Meere. Im Fokus seines neuen Buches steht der vormals keltische Siedlungs- und Kulturraum am westlichen Rand Europas von der spanischen Westküste bis in den Norden Schottlands. Tesson hat diesen mit dem eigenen Segelboot und in Begleitung diverser literarischer Ideengeber (im Wortsinn) „erfahren“, so dass sich sein Buch als … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Noatun

William Heinesen

Der Schriftsteller und Bildkünstler William Heinesen (1900–1991), der auf den Färöer geboren ist und dort auch den Großteil seines Lebens verbracht hat, gilt als der Klassiker der färöischen Literatur, wiewohl seine Texte nicht im Idiom der Insel, sondern in seiner Familien- und der damaligen Amtssprache Dänisch verfasst sind. Wir haben vor geraumer Zeit schon einen im Guggolz Verlag erschienenen Band mit Erzählungen von Heinesen vorgestellt. Nun liegt auch der zweite Roman des Autors mit dem Titel Noatun – erschienen 1938 und bereits 1939 erstmals in deutscher Übersetzung verlegt – in einer Neuübersetzung aus demselben Verlag vor. Im Mittelpunkt des Buches steht eine Gruppe eigensinniger Insulaner, die beschließt, dem wenig abwechslungsreichen … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Zur Kirche

Volter Kilpi

Der finnische Schriftsteller Volter Kilpi (1874–1939) gilt als einer der besten finnischen Schriftsteller und sprachgewaltiger Erneuerer des finnischen Romans. Mit seiner Technik einer minutiösen, nahezu simultanen Beschreibung von Impressionen und Szenen weckt er stilistische Erinnerungen an James Joyce‘ Ulysses. Sein jetzt im mare-Verlag zugänglich gemachter voluminöser Roman Zur Kirche aus dem Jahr 1937 ist das abschließende Buch seiner in den finnischen Schären angesiedelten „Archipelagus-Trilogie“. Der Ort der Handlung ist ein Ruderboot, welches an einem Mittsommer-morgen zwischen den Inseln verkehrt, um die dort lebenden Einwohner einzusammeln und zum Gottesdienst in die Kirche zu bringen. Kilpi liefert eine detailreiche und farbenfrohe Schilderung des Geschehens, der auf dem Boot geführten oder … > Weiterlesen

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Klassiker in Neuausgaben

Die Früchte des Meeres

Emile Zola

Der Hamburger mare-Verlag hat in den letzten Jahren ein untrügliches (freilich geschäftlich begründetes) Gespür für literarische Kleinodien mit maritimen Themen entwickelt und ist nunmehr auch bei dem großen französischen Romancier Emile Zola fündig geworden. In der Reihe der „kleinen Klassiker“ sind zwei seiner Novellen unter dem zusammenfassenden Titel Die Früchte des Meeres erschienen. Bei beiden Erzählungen handelt es sich indes eher um routinierte Fingerübungen des auf voluminöse Stoffe fixierten Meisters. Im der ersten, betitelt Die Muscheln des Monsieur Chabre reist ein Paar ans Meer, weil der Hausarzt dem Gatten den Genuss von Meeresfrüchten empfohlen hat, um dem Ziel einer Vaterschaft näherzukommen. Man ahnt die Wendung, die das Geschehen an … > Weiterlesen

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Aktuelle Buchempfehlungen Klassiker in Neuausgaben

Die sürrealistische Revolution

Benjamin Dittmann-Bieber, Christian Driesen (Hg.)

Der in Hamburg ansässige Textem-Verlag hat eine editorische Meisterleistung vollbracht, die einer Würdigung wert ist, auch wenn Inseln darin nur am Rand eine Rolle spielen. Immerhin hat die surrealistische Bewegung der 1920er selbst etwas von einem märchenhaften Archipel, zudem haben sich Breton & Co. ihrerseits gern auf indigene Vordenker von aller Herren Inseln berufen. Walter Benjamin hat die Bewegung der französischen Surrealisten bekanntlich als „letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz“ bezeichnet, und tatsächlich haftet den von ihr hinterlassenen literarischen und bildnerischen Werken auch hundert Jahre nach ihrer Entstehung noch etwas von diesem Glanz an (zuletzt ausgiebig zu bewundern in der großartigen Ausstellung Rendezvous der Träume in der Kunsthalle Hamburg). Der … > Weiterlesen

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Belletristik

Portolan

Daniela Danz

Die 1976 in Eisenach geborene, heute im thüringischen Kranichfeld lebende Autorin Daniela Danz hat Gedichte, Romane, Essays und Opernlibretti verfasst und gilt als Ausnahmeerscheinung in der gegenwärtigen deutschen Literaturszene. In ihrem neuen Gedichtband lenkt sie den Blick ihrer Leser auf ein den meisten nur dem Namen nach bekanntes Kulturgut, wobei eben dieser Name schon eine unüberhörbare poetische Qualität hat: „Portolan“ bezeichnet eine mittelalterliche Seekarte, auf der im Unterschied zur gebräuchlichen „Land-Karte“ das Meer der abgebildete Ort ist und die allein in Gestalt der diversen Häfen Übergänge zu den als weiße Leerräume angedeuteten „Land“schaften erfasst. In ihren Gedichten versucht Daniela Danz einen ähnlichen Perspektivwechsel: mit assoziativen, nicht selten formal überraschenden, zuweilen … > Weiterlesen

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Belletristik

Wir drehen dem Meer den Rücken zu

Nancy Hünger

Die in Weimar geborene Schriftstellerin Nancy Hünger, Jahrgang 1981, ist bereits durch mehre Gedichtbände und darüber hinaus durch Essays und weitere Texte hervorgetreten. Ihre neue, in der „edition AZUR“ des Verlags Voland & Quist erschienene Sammlung von Prosagedichten unter dem Titel „Wir drehen dem Meer den Rücken zu“ kann auch als eine zusammenhängende Liebesgeschichte in lyrischen Kapiteln gelesen werden. In immer neuen Anläufen lotet die Dichterin die romantischen, erregenden, vergeblichen, traumatischen und toxischen Einschreibungen einer intimen Beziehung aus. Indem das betreffende Paar ausgerechnet auf den kanarischen Inseln den Versuch unternimmt, zu anfänglicher Nähe und Vertrautheit zurückzufinden, tritt im zweiten Teil das Meer als begleitende „Stimme aus dem Hintergrund“ hinzu, und … > Weiterlesen

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Belletristik

Es währt für immer und dann ist es vorbei

Anne de Marcken

Die Heldin des neuen Romans von Anne de Marcken ist ein weiblicher Zombie und hat gleich zu Beginn das Pech, dass sie einen offenbar lädierten Arm verliert. Wir erleben sie auf einer vom andauernden Hunger getriebenen Wanderung durch postapokalyptische Ruinenlandschaften der einstigen USA, während der sie sich bemüht, eine Erinnerung an ihr Vor-Zombie-Dasein und die vorapokalyptische Welt wiederzugewinnen. Man könnte sagen, dass de Marcken sich der Gattung des Zombieromans eher im Sinne eines Zitates bedient, als dass sie die Typologie des Genres bedient. Dank einer stilsicheren und humorvoll-distanzierten literarischen Sprache erschafft sie daraus vielmehr eine Parabel, die die inneren und äußeren Verwüstungen unserer Gegenwart zum Vorschein bringt.… > Weiterlesen

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Belletristik

Goldstrand

Katerina Poladjan

Die in Moskau geborene, auf deutsch schreibende Autorin Katerina Poladjan wurde in jüngster Zeit gleich mit mehreren renommierten Literaturpreisen bedacht, u.a. mit dem Rompreis und einem dazugehörigen Aufenthaltsstipendium in der Villa Massimo. Das mediterrane Flair in ihrem neuen Roman Goldstrand mag dadurch mitbestimmt worden sein – der Titel des Buches verdankt sich einem sozialistischen Großprojekt im Bulgarien der 1950er Jahre. Der dicht geschriebene, zuweilen wie eine Serie kurzer Filmszenen wirkende Text hat eher etwas von einer langen Erzählung als einem Roman, wie es auf dem Titel steht. Im Mittelpunkt steht der gealterte Filmregisseur Eli, der seiner Therapeutin in Rom prägende Ereignisse aus seiner persönlichen Geschichte anvertraut. Die Autorin zeichnet auf … > Weiterlesen

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Belletristik

Jenseits der See

Paul Lynch

Der irische Schriftsteller Paul Lynch hat eine Vorliebe für existenzielle Parabeln und wurde für „Das Lied des Propheten“ mit dem renommierten Booker-Prize geehrt. Auch sein im englischen Original bereits 2019 erschienener, vor der Küste Mexikos angesiedelter Roman Jenseits der See spielt mit dem Bezugssystem von offenem Meer und menschlicher Psyche und entwickelt sich dabei zum Gleichnis auf Leben, Tod und das absurde Phänomen des einzelnen menschlichen Daseins. Der alte Fischer Bolivar, der für gewöhnlich in den Tag hineinlebt und vor jedem geregelten Arbeitsalltag dem Rauchen und Trinken zugeneigt ist, hat sich ausgerechnet an dem Tag in den Kopf gesetzt, aufs Meer zu fahren, wo die vernünftige Mehrheit der Dorfbewohner aufgrund … > Weiterlesen