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Aktuelle Buchempfehlungen Belletristik

Herz in der Faust

Sorj Chalandon

Der neue Roman des in Tunis geborenen französischen Autors Sorj Chalandon besticht nicht nur durch seine direkte unverblümte Sprache, sondern schon dadurch, dass es darin um klassische Vorstellungen von Männlichkeit geht. Der Roman spielt in den 1930er Jahren, Schauplatz der Handlung ist eine Besserungsanstalt für renitente Jugendliche auf einer Insel vor der bretonischen Küste. Der Held namens Jules, genannt Kröte, ist ein dorthin verbannter und unter den autoritären und sadistischen Umerziehungsritualen leidender Jugendlicher, dessen abenteuerliches Herz sich indes als stark genug erweist, um der Brechung durch brutale Wärter und ihre Erziehungsmethoden zu widerstehen. Wie Jules einen Aufstand anzettelt schließlich aus der Anstalt flieht, wie er von einem einfachen Fischer aufgenommen … > Weiterlesen

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Aktuelle Buchempfehlungen Belletristik

Tokyo Sympathy Tower

Rie Qudan

Schon seit einigen Jahren lässt sich eine Tendenz zu unmittelbar an die Gegenwart anschließender, sich im gesellschaftlichen Raum schon beinahe aktualisierender Science Fiction ausmachen. Rie Qudans Tokyo Sympathy Tower, von der renommierten Übersetzerin Ursula Gräfe ins Deutsche übertragen, ist ein solches Buch und spielt auf hohem intellektuellen und literarischen Niveau mit paradoxen, durch brüchige moralische Imperative stimulierten Diskursen. Im Mittelpunkt stehen eine Architektin und der von ihr entworfene „Tokyo Sympathy Tower“, der inmitten der japanischen Hauptstadt errichtet wird. Dieser soll als eine Art Muster- und Wohlfühlgefängnis fungieren: die dort inhaftierten Straftäter, zeitgemäß verstanden als bemitleidenswerte, aufgrund der gesellschaftlichen Umstände straffällig gewordene Randgruppe, erwartet anstelle eines entbehrungsreichen Zellendaseins empathisches Entgegenkommen, … > Weiterlesen

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Aktuelle Buchempfehlungen Belletristik

Portolan

Daniela Danz

Die 1976 in Eisenach geborene, heute im thüringischen Kranichfeld lebende Autorin Daniela Danz hat Gedichte, Romane, Essays und Opernlibretti verfasst und gilt als Ausnahmeerscheinung in der gegenwärtigen deutschen Literaturszene. In ihrem neuen Gedichtband lenkt sie den Blick ihrer Leser auf ein den meisten nur dem Namen nach bekanntes Kulturgut, wobei eben dieser Name schon eine unüberhörbare poetische Qualität hat: „Portolan“ bezeichnet eine mittelalterliche Seekarte, auf der im Unterschied zur gebräuchlichen „Land-Karte“ das Meer der abgebildete Ort ist und die allein in Gestalt der diversen Häfen Übergänge zu den als weiße Leerräume angedeuteten „Land“schaften erfasst. In ihren Gedichten versucht Daniela Danz einen ähnlichen Perspektivwechsel: mit assoziativen, nicht selten formal überraschenden, zuweilen … > Weiterlesen

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Wir drehen dem Meer den Rücken zu

Nancy Hünger

Die in Weimar geborene Schriftstellerin Nancy Hünger, Jahrgang 1981, ist bereits durch mehre Gedichtbände und darüber hinaus durch Essays und weitere Texte hervorgetreten. Ihre neue, in der „edition AZUR“ des Verlags Voland & Quist erschienene Sammlung von Prosagedichten unter dem Titel „Wir drehen dem Meer den Rücken zu“ kann auch als eine zusammenhängende Liebesgeschichte in lyrischen Kapiteln gelesen werden. In immer neuen Anläufen lotet die Dichterin die romantischen, erregenden, vergeblichen, traumatischen und toxischen Einschreibungen einer intimen Beziehung aus. Indem das betreffende Paar ausgerechnet auf den kanarischen Inseln den Versuch unternimmt, zu anfänglicher Nähe und Vertrautheit zurückzufinden, tritt im zweiten Teil das Meer als begleitende „Stimme aus dem Hintergrund“ hinzu, und … > Weiterlesen

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Es währt für immer und dann ist es vorbei

Anne de Marcken

Die Heldin des neuen Romans von Anne de Marcken ist ein weiblicher Zombie und hat gleich zu Beginn das Pech, dass sie einen offenbar lädierten Arm verliert. Wir erleben sie auf einer vom andauernden Hunger getriebenen Wanderung durch postapokalyptische Ruinenlandschaften der einstigen USA, während der sie sich bemüht, eine Erinnerung an ihr Vor-Zombie-Dasein und die vorapokalyptische Welt wiederzugewinnen. Man könnte sagen, dass de Marcken sich der Gattung des Zombieromans eher im Sinne eines Zitates bedient, als dass sie die Typologie des Genres bedient. Dank einer stilsicheren und humorvoll-distanzierten literarischen Sprache erschafft sie daraus vielmehr eine Parabel, die die inneren und äußeren Verwüstungen unserer Gegenwart zum Vorschein bringt.… > Weiterlesen

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Goldstrand

Katerina Poladjan

Die in Moskau geborene, auf deutsch schreibende Autorin Katerina Poladjan wurde in jüngster Zeit gleich mit mehreren renommierten Literaturpreisen bedacht, u.a. mit dem Rompreis und einem dazugehörigen Aufenthaltsstipendium in der Villa Massimo. Das mediterrane Flair in ihrem neuen Roman Goldstrand mag dadurch mitbestimmt worden sein – der Titel des Buches verdankt sich einem sozialistischen Großprojekt im Bulgarien der 1950er Jahre. Der dicht geschriebene, zuweilen wie eine Serie kurzer Filmszenen wirkende Text hat eher etwas von einer langen Erzählung als einem Roman, wie es auf dem Titel steht. Im Mittelpunkt steht der gealterte Filmregisseur Eli, der seiner Therapeutin in Rom prägende Ereignisse aus seiner persönlichen Geschichte anvertraut. Die Autorin zeichnet auf … > Weiterlesen

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Jenseits der See

Paul Lynch

Der irische Schriftsteller Paul Lynch hat eine Vorliebe für existenzielle Parabeln und wurde für „Das Lied des Propheten“ mit dem renommierten Booker-Prize geehrt. Auch sein im englischen Original bereits 2019 erschienener, vor der Küste Mexikos angesiedelter Roman Jenseits der See spielt mit dem Bezugssystem von offenem Meer und menschlicher Psyche und entwickelt sich dabei zum Gleichnis auf Leben, Tod und das absurde Phänomen des einzelnen menschlichen Daseins. Der alte Fischer Bolivar, der für gewöhnlich in den Tag hineinlebt und vor jedem geregelten Arbeitsalltag dem Rauchen und Trinken zugeneigt ist, hat sich ausgerechnet an dem Tag in den Kopf gesetzt, aufs Meer zu fahren, wo die vernünftige Mehrheit der Dorfbewohner aufgrund … > Weiterlesen

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Seemannslied

Ken Kesey

Der amerikanische Autor Ken Kesey ist hiesigen Lesern vor allem durch sein Anfang der 1960er Jahre erschienenes Kultbuch Einer flog über das Kuckucksnest bzw. dessen kongeniale Verfilmung durch Milos Forman vertraut. Über sein sonstiges Leben weiß man vor allem, dass es im Zeichen von Aussteigertum, Drogenexperimenten und mehreren damit verbundenen Strafverfahren stand. Nun hat sich der kleine Berliner März-Verlag seines kaum bekannten dritten Romans Sailer Song angenommen, der in den USA bereits 1992 erschien und nun unter dem Titel Seemannslied erstmals auf Deutsch vorliegt. Schauplatz des Romans ist eine fiktive Küstenstadt in Alaska, die nach der dortigen Verfilmung eines bekannten Kinderbuches Gefahr läuft, zu einer „Kulissenstadt“ für Touristen zu werden. … > Weiterlesen

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Chimäre

Sarah kuratle

Die in Österreich geborene, in der Schweiz aufgewachsene Autorin Sarah Kuratle hat mit ihrem zweiten Roman eine echte Inselgeschichte vorgelegt, die vor allem in ihren Heimatländern den Weg in Feuilletons und Bestsellerlisten geschafft hat. Die Bewohner einer fiktiven Insel, deren Schicksal infolge von Klimawandel und Artensterben auf dem Spiel steht, scheinen darin ihrerseits von merkwürdigen Verwandlungen erfasst. Während sie durch die Gärten und Wälder der Insel streifen, reflektieren sie über ihre Geschlechtlichkeit, ihre Traumata und ihr Begehren. Der Ton des Buches ist beinahe lyrisch-poetisch und schrammt gelegentlich an Pathos und Kitsch – aber vielleicht spiegelt sich gerade darin das fragile Lebensgefühl einer um die Jahrtausendwende geborenen Generation, die in einer … > Weiterlesen

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Die Schule der Nacht

Karl Ove Knausgård

Der Norweger Karl Ove Knausgård widmet sich in seinen Büchern mit Vorliebe existenziellen Fragestellungen, so auch in seinem neuen Roman Die Schule der Nacht, den er selbst „ein sehr finsteres und unangenehmes Buch“ genannt hat. Erzählt wird die Geschichte eines geborenen Norwegers und erfolgreichen Fotografen, dessen durch Motive von Tod und Vergänglichkeit geprägtes Werk an keinem geringeren Ort als im New Yorker MOMA mit einer Retrospektive gewürdigt wird. Viel höher und weiter geht es für einen Fotografen nicht, indes ist der Leser von der ersten Seite an im Bilde, dass dieser Mann ein ebenso jähen Absturz erfahren haben muss, befindet er sich doch inzwischen auf einer entlegenen Insel vor … > Weiterlesen