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Belletristik

Vaim

Jon Fosse

Der norwegische Literatur-Nobelpreisträger von 2024, Jon Fosse hat sich mit seinem ersten Roman nach der Preisverleihung zurückgemeldet. Darin schildert er die Bootsfahrt eines ländlichen Eigenbrötlers und in die Jahre gekommenen Junggesellen von seiner Heimatinsel Vaim in die Großstadt Bergen und zurück. Nach frustrierenden Einkäufen entschließt sich die Hauptfigur Jatgeir, an einer weiteren im Fjord gelegenen Insel haltzumachen, wo überraschend dessen Jugendliebe Eline am Kai steht, nach der er auch sein Boot benannt hat, und darauf besteht, von ihm nach Vaim mitgenommen zu werden. In der ihm eigenen Technik eines Stroms sich windender Sätze ohne Punkt und Komma taucht der Autor in die – eher einfach gestrickte – Psyche seines ländlichen Personals ein, wobei nach dem Tod des Helden im zweiten und dritten Teil des Buches dessen nicht weniger einsamer Freund sowie Elines Ehemann zu Wort kommen. Aus drei verschiedenen, gleichwohl ähnlichen Perspektiven rückt Fosse den männlichen Blick auf eine schillernde Frauengestalt ins Bild. Bewunderer des Autors werden dies existenziell, pointiert und stellenweise humorvoll finden – Leser mit weniger Affinitäten zu dessen literarischem Kosmos und Stil vielleicht vergeblich nach einer eigentlichen Pointe oder psychologischen Offenbarung sowie nicht zuletzt nach einem Gegenwartsbezug suchen.