Die italienische Schriftstellerin Anna Maria Ortese hat ihre Erzählung Iguana selbst als „romantisches Märchen“ bezeichnet. Doch wird Ortese mit der Stilsicherheit ihres Schreibens nicht allein der damit angedeuteten Traditionslinie gerecht, die auf große Autorennamen wie etwa Byron, Brentano und E.T.A. Hoffmann zurückweist. Ihre humorvolle Charakterzeichnung des auf eine verborgene Insel vor der portugiesischen Küste verschlagenen Helden inklusive dessen „Einfältigkeit“ angesichts des Wundersamen und des Versagens seiner angelernten Kompetenzen ruft ebenso große Autoren des 20. Jahrhunderts in Erinnerung, etwa Kafka, Cortázar und Clarice Lispector. Was Ortese in ihrem Märchen gelingt, ist nicht weniger als eine Dekonstruktion der kapitalistischen und rationalistischen Weltphantasien mit viel Ironie und avancierten literarischen Mitteln. Namentlich die im Titel des Buches zitierte Echse, die dem aristokratischen Gastgeber des Helden den insularen Haushalt führt, sorgt dafür, dass dessen zurechtgelegte Erklärungen ein ums andere Mal versagen. Auch des Nachwort der Literaturwissenschaftlerin Maike Albath ist lesenswert, enthüllt es doch die nicht weniger „märchenhaft“ wirkenden existenziellen Umstände, unter denen Ortese das Buch 1964 geschrieben hat und aufgrund derer es schließlich 22 Jahre dauern sollte, bis es endlich den Weg an die Öffentlichkeit fand.
- Verlag:
- Friedenauer Presse
- Einband:
- gebunden
- Seitenzahl:
- 232
- Preis:
- 24
