Die polnische Schriftstellerin Joanna Bator wurde in Deutschland vor allem durch ihren 2012 erschienenen Roman Sandberg über die Traumata, Ängste und Hoffnungen von Frauen in einer polnischen Kleinstadt bekannt. Ihr neuer Erzählungsband Die Flucht der Bärin erlaubt auf seine Weise die Bekanntschaft mit einer sprachmächtigen Autorin, die gekonnt mit wechselweise fantastischen, existenziellen und unheimlichen Situationen und Stimmungslagen spielt – nicht zuletzt dank der Übersetzung von Lisa Palmes, die der deutschen Ausgabe einen bemerkenswerten klanglichen Schliff gibt. Zur sogartigen Lektüre trägt überdies der Umstand bei, dass Protagonisten und Schauplätze der einzelnen Geschichten auf eine subtile Art und Weise verbunden scheinen, weswegen das Leseerlebnis eine durchkomponierten Roman kaum nachsteht. In einer der Geschichten reist ein Paar nach Kreta. Die damit verbundene Hoffnung, die in ein kritisches Stadium getretene Beziehung zu retten, erweist sich spätestens mit dem Verschwinden des Mannes als trügerisch. Die Frau verbleibt auf der Insel, um ihren Mann, an dessen Fortexistenz sie fest glaubt, zu suchen – eine Schlüsselepisode, die nicht zuletzt erlaubt, das Buch auch als eines mit Inselthematik ausdrücklich zu empfehlen.
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