Bereits im Jahr 2004 gewann Uwe Tellkamp mit einer Erzählung unter dem Titel Der Schlaf in den Uhren (die Bestandteil seines unter dem gleichen Titel erscheinenden Romans ist) den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis, ehe er für den 2008 erschienenen Roman Der Turm noch im selben Jahr den Deutschen Buchpreis erhielt.
Der nunmehr vorliegende voluminöse Roman versteht sich einerseits als Fortsetzung des Erfolgsbuches von 2008, ist aber zugleich als erster Band eines umfangreicheren Buchprojektes unter dem Titel Archipelagus deklariert. Wie in seinem millionenfach verkauften Bestseller Der Turm legt Tellkamp auch diesmal chiffrierte und fantastisch aufgeladene Chronik des Zeitgeschehens vor. Das literarische Personal ist Lesern des Vorgängerromans bereits über weite Strecken bekannt, nicht zuletzt der für eine klandestine „Tausendundeine-Nacht-Abteilung“ tätige Hauptheld Fabian Hoffmann als DDR-Dissident und Cousin der Hauptfigur des Turm. Dasselbe gilt für diverse auftauchende Inseln, etwa die Kohlen– und die Kupferinsel, die man aus surrealen Passagen des Turm kennt. Das Thema klingt indes nicht nur in der unterirdischen Inselwelt des phantastischen Stadtstaates „Treva“ an, der Ähnlichkeiten mit der gegenwärtigen Bundesrepublik, einer fortbestehenden DDR und ihren Stasi-Netzwerken sowie nicht zuletzt mit literarischen Landschaften wie Tolkiens Mittelerde aufweist, sondern auch in Gestalt von den Akteuren aufgesuchter Ostseeinseln, allen voran Hiddensee.
Mehr noch als das frühere Buch zeigt sich Der Schlaf in den Uhren als eine Tiefenbohrung in das kollektive Unbewusste der deutschen Gesellschaft, wobei der Autor den erzählerischen Bogen – mit unvermeidlichen Spiegeleffekten – von der Wendezeit bis in die Gegenwart spannt. Bediente er mit dem Turm noch eine gewisse Erwartungshaltung in Deutschland-Ost und-West, so schreibt er in seinem neuen Roman eher von dem, worüber er aus innerster Notwendigkeit schreiben muss – was vielleicht auf Kosten der Unterhaltsamkeit geht, sich jedoch in evidenter literarischer Qualität niederschlägt. Aus einer erweiterten Perspektive ließe sich sagen, dass in der phantastischen Welt von „Treva“ verschiedene Entwicklungstendenzen der Moderne von Bürokratie über eine sich eigendynamisch entwickelnde Technik bis zum Überwachungsstaat visionär zusammenlaufen.
- Verlag:
- Suhrkamp
- Einband:
- gebunden
- Seitenzahl:
- 904
- Preis:
- 32,00