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Klassiker in Neuausgaben

Das Epos von Gilgamesch

Das Gilgamesch-Epos als einer der ältesten überlieferten literarischen Texte hat paradoxerweise eine vergleichweise junge Rezeptionsgeschichte, die erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Übersetzung und Zusammenstellung der dieses überliefernden Tontafeln begann. Seine Rekonstruktion ist bis heute nicht abgeschlossen, etwa ein Fünftel des Textes harrt nach wie vor der Erschließung und Rekonstruktion. Gleichwohl haben sich gerade in den letzten Jahren zahlreiche renommierte Autoren an einer deutschen Übersetzung bzw. Nacherzählung des in akkadischen und sumerischen Versionen überlieferten Textes versucht – nun auch die renommierte Schriftstellerin und Übersetzerin Esther Kinsky. Ihre Nacherzählung liefert – im Unterschied zu anderen wie etwa der von Raoul Schrott – eine vorsichtige, am Text orientierte und diesen in der Fülle seiner denkbaren Bedeutungen auffassende Lesart, die nicht zuletzt Gilgameschs Inselreise zu seinem an „der Ströme Mündung“ versetzten unsterblichen Ahnen Uta-napischti als vieldeutigen und eben darum lesenswerten Schlüsseltext an der Nahtstelle von Mythos und Literatur kenntlich macht.