Der Untergang des Hapag-Dampfschiffs SS Austria, das nach einem an Bord ausgebrochenem Brand am 13. September 1858 im Atlantik versank, war mit über 450 Opfern eines der größten Schiffsunglücke des 19. Jahrhunderts, das auch in den europäischen und amerikanischen Zeitungen ein außerordentliches Echo fand. An Bord befand sich mit Henriette Wulff auch eine Freundin des dänischen Dichters Hans Christian Andersen – eine Konstellation, aus der der österreichische Schriftsteller Stefan Kutzenberger den raffiniert gewobenen Plot seines vierten Romans bezieht. Während die nach Amerika aufgebrochene Wulff – in Erwartung von glücklicher Rettung oder nahezu sicherem Tod – auf einer Holztür im Ozean treibt, verfasst sie in Gedanken einen Briefwechsel mit dem befreundeten und in Dänemark zurückgebliebenen Dichter. Dieser fokussiert sich mehr und mehr auf die mitschwingende, gleichwohl niemals eingestandene Erotik in der Beziehung der Korrespondenzpartner und umkreist die eigenwillige Persönlichkeit des dänischen Dichters, nicht zuletzt hinsichtlich seiner intimen Neigungen. Zugleich zeigt sich Kutzenbergers Briefroman als Reflex der gesellschaftspolitischen Debatten der Mitte des 19. Jahrhunderts und balanciert dabei sprachlich überzeugend zwischen einem glaubhaften Anschluss an damalige Themen und deren Übermittlung an Leser des 21. Jahrhunderts. Ob sich der Name von Henriette Wulff schlussendlich auf der Liste der Opfer oder der Liste der Überlebenden der Schiffskatastrophe wiederfindet, worauf der Titel verweist, mag hier – wie auch bis fast zum Schluss des Buches – offenbleiben.
- Verlag:
- Picus
- Einband:
- gebunden
- Seitenzahl:
- 2ß9
- Preis:
- 24
